Altstadt aus Vogelperspektive

22.05.2012 08:55 Uhr | Aktualisiert 22.05.2012 08:57 Uhr
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Von albrecht günther
Naumburg will ins Welterbe. 2015 soll die Entscheidung fallen, ob Teile der hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaft an Saale sowie Unstrut und damit Dom und Naumburger Altstadt in die Unesco-Liste aufgenommen werden.
naumburg. 

Der Bürgerverein hat deshalb Aktionen gestartet, um die Naumburger für die Welterbe-Bewerbung zu begeistern. So wurden Aufkleber gedruckt, die die einzelnen Welterbe-Stätten des Antragsgebietes zeigen. Nun folgt ein zweiter Schritt: Der ehrenamtlich wirkende Verein will ein Modell von Domfreiheit und Teilen der Altstadt anfertigen und am Dom aufstellen lassen. Der Vorteil dabei: Nicht nur sehende Touristen, sondern auch Blinde können sich einen Eindruck vom Stadtgebiet verschaffen. Vereinsvorsitzender Waldemar Schewe: "Solche Tastmodelle gibt es bereits in über 600 Städten der Bundesrepublik; es wäre schön, wenn sich die Welterbe-Stadt Naumburg einreihen würde." Das aus Bronze gefertigte Modell soll den Bereich Dom und Altstadt sowie das Gebiet zwischen Moritzberg und Oberlandesgericht sowie Marienmauer bis Salztor umfassen. "Blinde sehen mit den Händen. Sie ertasten und erfühlen ihre Welt. Mit dem Modell könnten auch sie sich unsere Stadt erschließen", so Schewe weiter. "Natürlich ist so ein Stadtmodell auch für alle anderen Besucher reizvoll. Damit kann man aus der Vogelperspektive auf den Dom und die Stadt schauen."

Allerdings musste der Verein von seinen ursprünglichen Plänen abrücken, das Modell von einem Künstler oder Handwerker aus der Region anfertigen zu lassen. Denn inzwischen hat sich der Bildhauer Egbert Broerken die Idee und Herstellung solcher Stadtmodelle urheberrechtlich schützen lassen. Damit darf kein anderer in dieser Hinsicht aktiv werden.

"Wir haben mit Broerken gesprochen, er würde das Modell auch für Naumburg herstellen", sagt Schewe. 32 000 Euro soll es kosten. Hinzu kommen Ausgaben für den Steinsockel, auf dem der Bronzeguss montiert wird. Diese Kosten jedoch kann der Verein nicht aufbringen. Spenden sind deshalb willkommen. "Wir rufen alle Bürger sowie Vereine, Firmen und Unternehmen auf, uns zu helfen", heißt es deshalb in einem vom Bürgerverein veröffentlichten Aufruf.

Gezahlt wird der Betrag nicht mit einem Mal, sondern in drei Stufen entsprechend des Fertigungsstandes. Deshalb sind auch Zusagen für Spenden willkommen, die im ersten Quartal des kommenden Jahres geleistet werden. Den Auftrag erteilen will der Bürgerverein noch in diesem Jahr. Schewe: "2012 feiert der Deutsche Blinden- und Sehschwachenverband sein 100-jähriges Bestehen." Das Tastmodell wäre da ein durchaus passendes Geschenk.