Artenschutz: Schneckenkrieg in Roßbach

10.05.2012 21:57 Uhr | Aktualisiert 10.05.2012 22:26 Uhr
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Weinbergschnecke

Eine Weinbergschnecke. (FOTO: DPA)

Von Michael Heise
Helix pomatia im Garten abpflücken und in den Wettkampf schicken? Wer sich auch nur halbwegs mit dem Gedanken trägt, Weinbergschnecken in einem Rennen mit Artgenossen antreten zu lassen, sollte sich schämen. Denn er ist ein Schneckenfeind, ein Tierquäler, ein böser Mensch, der sein Tun hinterfragen sollte.
Halle (Saale)/MZ. 

Ja, Maria Wartenberg, Inhaberin eines Weinausschanks aus den Roßbach'schen Weinbergen bei Naumburg hat schlaflose Nächte durchlebt, nachdem die Naturschutzbehörde diskret, aber bestimmt wissen lies, dass das Weinbergschneckenrennen am Samstag nicht stattfinden kann. Zumindest nicht so. Denn: Die Weinbergschnecke steht unter Artenschutz und darf nicht einfach mal so nach Lust und Laune ihres grünen Paradieses beraubt werden. Auch nicht für zehn Minuten auf einer Tischplatte, zu deren Rand sie von der Mitte aus flitzen müsste. Keine Chance für "The President", der gekrönten Roßbacher Superschnecke des Vorjahres. Der schleimige Kämpfer darf nicht wieder, denn die Behörde meint es ernst und droht bei Verstoß mit Strafe. Ins Rennen gehen deswegen jetzt nicht irgendwelche Hallodris aus Nachbars Garten, sondern echte Thüringer Kampfschnecken. Gezüchtet auf einer Farm bei Blankenburg. 100 Stück für 65 Euro hat Maria Wartenberg geordert, am Donnerstag wurde die Schneckenpost geliefert. Denn Zuchtschnecken im Wettkampf, das geht. Kein Problem, wenn sie im Paket schon irgendwo in der Sonne standen. Solche Weichteiler sind verdammt nochmal nur Schnecken zweiter Klasse. Und ihre Endstation ist der Kochtopf, da sie nicht ausgesetzt werden dürfen. Deshalb gibt es am Tag danach Schneckensuppe. Hoffentlich kommen genug Leute, um sie auszulöffeln.