In der Naumburger Fichte-Straße wurden gestern 18 Linden einem gründlichen Gesundheitscheck unterzogen. Christin Bartholomäus und Bernd Kimmel vom Erfurter Sachverständigenbüro Leitsch prüften die rund 110 Jahre alten Straßenbäume auf Herz und Nieren - konkret auf Stamm, Geäst und Standsicherheit. Ihr Handwerkszeug: Zimmermannshammer, Maßband, Laptop und jede Menge Fachwissen.
Ein- bis zweimal jährlich wird in Naumburg und den Ortsteilen jeder Straßenbaum einer solchen Kontrolle unterzogen. Das fordert der kommunale Haftpflichtversicherer. Denn wenn etwas passieren sollte, also Menschen, Autos oder anderes durch herabfallende Äste oder entwurzelte Bäume zu Schaden kommen, dann ist die Stadtverwaltung in der Haftpflicht, erklärt Gabriele Democh vom städtischen Sachgebiet Tief- und Gartenbau.
Sämtliche Bäume im Naumburger Stadtgebiet sind deshalb seit 21 Jahren in einem Kataster erfasst. Seit 2011 nutzt die Stadt die entsprechende Software der Firma Kommunalfabrik in Bad Kösen. Die Datenerfassung und die Kontrollen werden akribisch dokumentiert, so Frau Democh. Und die Feststellungen, die ins Programm eingegeben wurden, können nachträglich nicht manipuliert werden, versichert sie.
Sollten die Baumexperten im Verlauf ihrer Untersuchungen, bei denen sie auch genau nachsehen, ob sich eventuell Pilze ins Wurzelwerk oder im Geäst eingenistet haben, feststellen, dass der Baum erkrankt ist, werden weitere Untersuchungen nötig. Dabei wird das Innenleben genau unter die Lupe genommen. Damit erläutert Frau Democh, dass seitens der Naumburger Stadtverwaltung nicht ohne fachliche Diagnose ein Baum entfernt werden kann oder entsprechende Pflegemaßnahmen in Angriff genommen werden müssen.
"Die Stadt Naumburg verfügt über einen zahl- und artenreichen Gehölzbestand. Bäume erfüllen dabei besondere Funktionen", so Frau Democh. Sie sind Gestaltungselement, verbessern das Kleinklima und bieten wertvollen Lebensraum für weitere wichtige Organismen.
In diesem Jahr wurden bereits rund 1 500 Straßenbäume und 1 000 Bäume auf Spiel- und Bolzplätzen auf ihre Verkehrssicherheit kontrolliert. In der Folge werden entsprechende Maßnahmen durch die Fachleute empfohlen, so etwa Kronenpflege, Lichtraumprofilschnitt und teilweise Einkürzungen von weit ausladenden Ästen. Letzteres passiert gerade am Flemminger Weg. Für das sogenannte Baum-Management gibt die Stadt Naumburg in diesem Jahr 70 600 Euro aus; 2011 waren es 58 000 Euro.