Seit 2007 sind die Poller am Markt - im Gegensatz zur Anlage in der Marienstraße - nicht mehr in Betrieb. Schuld war ein Unfall. (FOTO: TORSTEN BIEL)
Und zwar am Naumburger Markt zwischen "Schlösschen" und dem Restaurant "Firenze". Dort stehen - oder besser: schlafen - derzeit noch die Poller. Und zwar seit dem 5. August 2007. An diesem Tag sorgten sie für einen Gerichtsprozess, der fünf Jahre dauern sollte. Dieser ist nun abgeschlossen und ermöglicht jetzt die Wieder-Inbetriebnahme der Anlage am Markt.
Zum Fall: Am Abend des 5. August war ein Janisrodaer mit seinem Kleintransporter von einem der Poller quasi "aufgespießt" worden. Am Auto entstand ein Schaden von etwa 1 600 Euro, den er von der Stadtverwaltung bezahlt haben wollte. Die Stadt aber sah dies nicht ein und wollte ihrerseits 6 000 Euro für den defekten Poller. Die entscheidende Frage: Warum ging der Poller hoch? Eine Frage, die auch in fünf Jahren Prozess nicht abschließend geklärt wurde. Wollte es der Janisrodaer ausnutzen, dass die Poller durch ein vor ihm fahrendes Auto eh am Boden waren? Oder kamen die Metallpfosten durch einen technischen Defekt aus der Versenkung? Der Prozess brachte Zeugenaussagen für beide Varianten hervor. Aussagen, an denen wiederum beidseitig stark gezweifelt wurde. Also ließ das Gericht vom Tüv Süd ein Gutachten anfertigen. Dieses besagt: Die Anlage am Markt entspricht nicht den an sie zu stellenden Anforderungen und ist nicht verkehrssicher. Die Stadt zweifelte das Gutachten an und ließ von der Dekra ein neues erstellen. Dieses bescheinigte den Pollern, technisch einwandfrei zu funktionieren. "Ein bestelltes Gutachten. Der Dekra-Gutachter war ja nur eine halbe Stunde vor Ort", sagt der Anwalt des Janisrodaers, Ulrich Biermanski. Kirsten Wilke, oberste Juristin der Stadtverwaltung, aber hält entgegen: "Der Gutachter vom Tüv war überhaupt nicht vor Ort."
Das Gerichtsurteil wurde mit Spannung erwartet. Doch dazu kam es nicht: Einen Tag vor der Verkündung bot der Hersteller der Anlage an, die Kosten für die Autoreparatur und den Prozess zu zahlen und die Anlage zu reparieren. "Um einen weiteren langen Prozess nach einer eventuellen Berufung zu verhindern", wie die Chemnitzer Firma Vieweg Verkehrstechnik mitteilt. In den nächsten 14 Tagen soll die Reparatur erfolgen. Dann wird das Befahren des Marktes während der Sperrzeit wieder beidseitig verhindert (in der Marienstraße "arbeitet" die Anlage seit eh und je). Denn Fahrer, die die "schlafenden Poller" ausgenutzt haben und von der falschen Seite auf den Markt fuhren, gab es seit 2007 zuhauf.