Per Drahtesel angereist waren Landrat Harri Reiche (parteilos) und Kreiswirtschaftsamtsleiter Thomas Böhm (CDU), in Karossen vorgefahren kamen Landwirte der Region.
Das Kreisoberhaupt ist diesmal halboffiziell - eigentlich hat es Urlaub - abseits der Fernverkehrsrouten unterwegs, um sich ein Bild über den Stand der wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung in Dörfern entlang der Rad-Acht zu verschaffen. Und Träger der wirtschaftlichen Entwicklung sind im Wethautal nebst Naumburger "Enklaven", der ersten Station der viertägigen Tour, vor allem die Landwirte. Die können, so Bodo Zier von der Agrargesellschaft Prießnitz, in diesem Sommer nicht klagen. Zwar lagen die Ernteergebnisse beim Raps nicht auf Rekordniveau, sondern sogar geringfügig unter dem Durchschnittswert, wie Hans Schulze, Geschäftsführer des hiesigen Kreisbauernverbandes, ergänzte. Die Ertragsminderung wird aber durch einen guten Preis für die Ölfrüchte ausgeglichen. Nach Mahd und Drusch des Weizens von reichlich der Hälfte der Schläge im Landkreis sieht es bei der Getreideernte sogar nach einem überdurchschnittlich gutem Ergebnis aus. Und das nicht nur, was die Menge betrifft, sondern auch die Qualität. Die ist top, so Zier. Gut entwickelt haben sich auch die Pflanzen auf den Mais- und Rübenschlägen.
Rund 100 000 Hektar Ackerland gibt es im Landkreis, und die Fläche hat sich spürbar verringert. Viel Schuld daran trägt die Bundesbahn, die nicht nur Flächen für den ICE-Trassenbau verbrauchte, sondern auch Ackerland für schlecht geplante ökologische Ausgleichsmaßnahmen beschlagnahmte. Ein Irrsinn, so charakterisierte Uwe Hengstmann von Landwirtschaftsamt diese Verschwendung.
Wobei die Landwirte nicht gegen ökologische Ausgleichsmaßnahmen sind. Im Rahmen des Radwegbaus seien auf Kreisebene vernünftige Lösungen gefunden worden. Kreisbauernverbandsvorsitzender Friedhelm Duderstedt schlug vor, für solche Maßnahmen Grünland statt Felder zu nutzen. Diese Flächen würden dadurch sogar eine Aufwertung erfahren.