Bessere Balance statt Quote

03.07.2012 09:11 Uhr | Aktualisiert 03.07.2012 09:37 Uhr
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Roswitha Heßmann, stellvertretende...

Roswitha Heßmann, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Burgenlandkreis, unterzeichnet im Beisein von Harri Reiche die Erklärung. (FOTO: MZ)

Von constanze matthes
Ein Blick gestern Vormittag in den Kreistagssaal und die Frage nach der Frauenquote hätte sich erübrigt. Doch die gefüllten Sitzreihen und das nahezu nur von Frauen besetzte Podium zeichneten kein repräsentatives Bild der Realität.
naumburg. 

"Die Wirtschaft braucht ein zeitgemäßes Gesicht. Es wäre wirtschaftlich fahrlässig, die Ressourcen nicht zu nutzen", bemerkte Annette Maltry. Der volkswirtschaftlich geprägte Begriff der Ressource bezeichnete in jenem Fall Frauen. Die Mitarbeiterin des Bundesfamilienministeriums zählte zu den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die zu einer ersten Gesprächsrunde in der Kreisverwaltung zusammenkamen.

Aus 49 Bewerbern ausgewählt

Der Anlass: Der Burgenlandkreis gehört zu den insgesamt zehn Regionen bundesweit und zu jenen drei in den neuen Bundesländern, die am Bundesprogramm "Mehr Frauen in Führungspositionen - Regionale Bündnisse für Chancengleichheit" teilnehmen und die aus insgesamt 49 Bewerbern ausgewählt worden waren. Ziel sei es, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Personalpolitische Maßnahmen sollen entwickelt und Einstellungs- und Beförderungsprozesse sowie die Vergütung geschlechtergerecht gestaltet werden. Zudem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um Beruf und Familie zu vereinbaren. All jene Ziele sind Teil einer gemeinsamen Erklärung, die zehn hiesige Unternehmen sowie ein regionales Firmennetzwerk per Unterschrift besiegelt haben (siehe Hintergrund). Das Bundesprogramm läuft bis in das Jahr 2015 und wird begleitet von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) als Projektträger. Die inhaltliche Arbeit bestimmen regelmäßige Workshops und Gesprächskreise sowie die Zusammenarbeit zwischen Kreisverwaltung, Projektträger und den Unternehmen. Im kommenden Jahr findet ein bundesweiter Branchengipfel der beteiligten Firmen statt.

Chancengleichheit als Faktor

Dabei habe der Burgenlandkreis, allgemein die neuen Bundesländer, mit Blick auf Frauen in Leitungspositionen und Familienfreundlichkeit nur wenig Nachholbedarf, so Carola Schaar, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. Laut Umfragen gelten 80 Prozent der Unternehmen als familienfreundlich. Trotzdem: Forderungen an Wirtschaft und Politik gab es so einige, wie eine geschlechterneutrale Bewertung von Leistungen, ein flächendeckendes Betreuungsangebot sowie das Ablegen von klischeehaften Rollenmodellen. "Eine Frauenquote ist nicht notwendig", so Schaar.

Vielmehr sei eine neue Balance notwendig, das Potenzial sowohl von Männern als auch Frauen gleichermaßen auszuschöpfen. Jene Forderungen zu erfüllen, sei aufgrund der demografischen Entwicklung ein Standortfaktor, betonte Helga Lukoschat. Die EAF-Geschäftsführerin nannte zum Schluss ein Beispiel, welche Bedeutung Frauen in Firmen haben. Eine Ingenieurin entwickelte mit einem handlichen Akkuschrauber das erfolgreichste Produkt der Firma Bosch.