Betroffen, aber in Bewegung

02.05.2012 17:23 Uhr | Aktualisiert 02.05.2012 17:26 Uhr
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Von Constanze Matthes
Peter Hippes Wendepunkt ist das Jahr 1985. Die heftigen Schmerzen im Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen, treten seitdem regelmäßig auf. Des Nachts zwingen sie den groß gewachsenen Mann aufzustehen. Monate später stellt eine Rheumatologin schließlich die bittere Diagnose: Morbus Bechterew.
naumburg. 

Die nach dem russischen Neurologen benannte rheumatische Erkrankung krempelte das Leben des Hallensers um, der bis dato als Elektromonteur tätig war. "Bei jedem Wetter auf der Baustelle rumkrauchen, das ging nicht mehr. Meine Ärztin sagte mir, ich solle mir Gedanken über eine andere berufliche Perspektive machen", erzählt Hippe. Nach einem Bürojob in den Leuna-Werken und einem Fernstudium zum Bauingenieur arbeitet er nun als Gutachter. Seit vier Jahren wohnt er in Naumburg. Obwohl Hippe nicht rennen kann, er Schmerzen hat, wenn er länger steht oder sich bückt, er überhaupt an einer bisher unheilbaren Krankheit leidet - der Domstädter weiß auch, dass er Glück gehabt hat. "Manche Patienten haben ihre Diagnose erst nach einigen Jahren erfahren. Und bei mir ist der Verlauf bisher mild", so Hippe. Andere leiden unter Verknöcherungen und Fehlhaltungen, in seltenen Fällen zudem unter Entzündungen der Regenbogenhaut des Auges. Doch der 54-Jährige igelte sich mit dem Wissen um sein Leiden nicht ein. Seit 1992 engagiert er sich im Bundesverband der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew. Erst als Beisitzer im Vorstand aktiv, wirkt er nun als Schriftführer. "Ich wollte etwas tun und mich nicht einfach damit abfinden. Der Selbsthilfegedanke soll doch mit Leben erfüllt werden", meint Hippe. Als am Wochenende der Landesverband in Naumburg tagte, war er vor Ort. "Wir bieten regelmäßig Wochenendseminare als Weiterbildungen an und verbinden diese mit unserer Mitgliederversammlung", erzählt Landesverbandschef Klaus Siebenbrodt. Der 58-jährige Stendaler leidet seit der Jugend unter Morbus Bechterew.

Ziele des Verbandes sei die Unterstützung seiner Mitglieder in vielerlei Belangen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für diese Krankheit, die nur wenige kennen, so Siebenbrodt. "Schon allein die Diagnose zu verarbeiten, braucht Unterstützung", sagt der Vorsitzende. Die Bundesvereinigung ist Mitglied der Deutschen Rheumaliga, die als Dachorganisation fungiert. Im Land Sachsen-Anhalt wirken 18 Ortsgruppen, so auch in Weißenfels und Zeitz. Doch trotz der weit verzweigten und lokal verwurzelten Verbandsstruktur sei nicht jeder Morbus-Bechterew-Betroffene zugleich Mitglied, so Siebenbrodt: "Das ist oftmals ein weiter Weg von der Krankheit bis hin zu dem Gedanken, der Verein könnte mir helfen."