Carmen Ilse ist Teamleiterin der Notfallseelsorger Naumburg-Zeitz. (FOTO: MZ)
Es ist eine stille Arbeit im Hintergrund. Wenn ein Kind, ein junger Mensch plötzlich ums Leben gekommen, ein tragisches Unglück geschehen ist, Mann oder Frau Suizid begangen hat, brauchen die Angehörigen dringend besondere Hilfe - angesichts des Schockes. "Manchmal gibt es keine Worte, das sind die schlimmsten Einsätze, wo man es nur aushalten und da sein kann", sagt Carmen Ilse. Die 56-Jährige ist Teamleiterin einer Gruppe Notfallseelsorger unter dem Dach des Kirchenkreises Naumburg-Zeitz.
20 bis 25 Einsätze im Jahr
Von zwölf Männern und Frauen sind derzeit zehn aktiv. Bis zum Jahresende wird sich die Gruppe auf acht Mitglieder weiter reduzieren. Das Team braucht Verstärkung. Auf einer Veranstaltung am 13. Juni soll die ehrenamtliche Tätigkeit vorgestellt werden. Rund 20 bis 25 Einsätze bestreiten die Notfallseelsorger rund um Carmen Ilse im Jahr. Sie werden nach Unfällen direkt von der Leitstelle angefordert und versehen ihren Dienst an der Seite von Notarzt, Sanitätern, Polizei und Feuerwehr.
Große Region wird betreut
"Wir achten darauf, dass von den Betroffenen keiner allein bleibt. Jeder Tod ist eine Katastrophe. Wir sind eine Stütze, eine Brücke zurück in das Leben, den Alltag", erzählt die Flemmingerin. Und die Notfallseelsorger haben Dramatisches erlebt: das Unglück an der Schleuse in Laucha, bei dem 2006 fünf Jugendliche starben, der Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, der Tod eines Kindes im Naumburger Freizeit-Bad "Bulabana" und jüngst der schwere Unfall zwischen Bad Bibra und Saubach. Des Weiteren helfen sie Menschen, die nach einer Straftat traumatisiert sind, wie Polizeisprecher Jörg Bethmann erzählt. Die Notfallseelsorger seien eine große Hilfe und müssten einen großen Raum von Zeitz bis in die Finne-Region abdecken. "Sie fangen die Betroffenen auf, wenn wir meistens schon zu einem weiteren Einsatz gerufen werden", so Bethmann weiter.
Zudem stehen die Notfallseelsorger der Polizei zur Seite, wenn sie eine Todesnachricht übermitteln müssen, und den Einsatzkräften der Feuerwehr, damit diese ebenfalls Geschehnisse verarbeiten. Jeder Einsatz wird protokolliert, im Team besprochen. Die Notfallseelsorger werden zudem mittels Supervision betreut. Die Erlebnisse müssen verarbeitet, "von der Seele" geredet werden, so Carmen Ilse.
Jeder Seelsorger nähere sich einem Fall auf unterschiedliche Weise an, erzählt die Teamleiterin. "Ich spreche zuerst mit der Einsatzleitung und erkundige mich, was geschehen ist. Schließlich konzentriere ich mich ganz auf die zu betreuende Person."
Zuerst Kirchenvertreter im Einsatz
Die Notfallseelsorge im Burgenlandkreis wurde 1998 ins Leben gerufen, nach einem Hinweis aus den Reihen der Polizei. Während zu Beginn Pfarrer und Gemeindepädagogen im Einsatz waren, stammen die Helfer mittlerweile aus verschiedenen, meist sozialen Berufen. Eine weitere Gruppe existiert in der Region Weißenfels, die vom DRK unterstützt wird.
Ausbildung ist zertifiziert
80 Stunden dauert die zertifizierte Ausbildung zum Seelsorger, in der die Themen Leben, Tod und Krankheit behandelt werden, der Selbstschutz und die Grenzen der Arbeit aufgezeigt werden. Interessenten für dieses Engagement sollten nicht jünger als 25 und nicht älter als 70 Jahre sein. "Man muss zudem belastbar sein", so die Teamleiterin.
Die Informationsveranstaltung findet am Mittwoch, 13. Juni, um 19 Uhr in der Verwaltung des Kirchenkreises, Charlottenstraße 1, in Naumburg statt.