Die "fünfte Jahreszeit" ist da

22.06.2012 08:55 Uhr | Aktualisiert 22.06.2012 08:56 Uhr
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Von den Flemminger Pfingstburschen spendiert,...

Von den Flemminger Pfingstburschen spendiert, von Oberbürgermeister Bernward Küper angestochen: das traditionelle Bierfass zur Kirschfesteröffnung auf der Naumburger Vogelwiese. FOTOS (9): TORSTEN BIEL

Von harald boltze
Als eine auswärts arbeitende Naumburgerin gestern Vormittag im Büro auf ihre Kirsch-Ohrringe angesprochen wurde, erntete sie leichte Verwunderung.
naumburg. 

"Auswärtige können das eben nicht verstehen, was uns das Fest bedeutet", sagte sie dann gestern kurz vor 17 Uhr. Da stand sie mit Hunderten weiterer Einheimischer vor dem Rathaus und wartete, dass die Uhr von St. Wenzel doch endlich 17 Uhr schlägt. Und als dies dann soweit war, und Oberbürgermeister Bernward Küper das Mikrofon ergriff, konnte die Stadtfahne entrollt werden und Küper rufen: "Die fünfte Jahreszeit in Naumburg ist eröffnet."

Daraufhin setzte sich der Tross, angeführt von der Stadtwache, gen Vogelwiese in Bewegung. Und zahlreiche Naumburger liefen mit. Egal ob jung oder alt. Ob allein oder mit Kinderwagen, viele mit Kirschfest-T-Shirts bekleidet. Sie alle wurden dann von OB Küper auf einem Heuwagen (auf den Holzpavillon in der "Wiesen"-Mitte muss man auch dieses Jahr verzichten) begrüßt. Als Küper dann jedoch bereits zum Anstechen des Bierfasses schreiten wollte, fiel ihm ein, dass er etwas vergessen hatte: das Kirschfestlied. "Und ohne das geht es ja nun wirklich nicht", so das Stadtoberhaupt.

Danach aber durfte er zur Tat beziehungsweise zum Fass schreiten. Dieses wurde gestern von den Flemminger Pfingstburschen spendiert, die in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen feiern konnten (Tageblatt / MZ berichtete). Mit drei Schlägen war die Sache denn auch geritzt, und etliche Besucher kamen in den Genuss eines Freibieres. Auch Stadtrat Günther Sange ließ sich eines schmecken. Und das, obwohl er schon am Vorabend "im Rudererzelt kräftig Richtfest gefeiert" hatte und noch einigermaßen zerknittert ausschaute. "Einen guten Durst muss man kräftig pflegen, sonst bleibt er aus", witzelte Sange. Und als dann endlich auch die Stadtwache volle Gläser bekommen und getrunken hatte, konnte der Umzug durch die Zelte beginnen. Dabei saßen im Unternehmerzelt schon zahlreiche Mitglieder der verschiedenen Netzwerke der Region bei ihrem Sommerfest, das sie wie jedes Jahr im Festzelt feiern. Doch gute Stimmung herrschte auch nebenan bei der SG Friesen. Viele Vereinsmitglieder hatten dort die frisch bedruckten, hellblauen T-Shirts mit den lustigen Cartoons an. OB Küper gratulierte derweil Friesen-Wirt und Fleischermeister Thomas Schlegel mit dem Slogan "175 Jahre gute Wurst aus Naumburg" zu seinem Firmenjubiläum. Schlegel ließ sich da natürlich nicht lumpen und tischte Knackwürste und Gehacktesbrötchen für alle auf. Keine schlechte Idee. Als Grundlage für 15 Zelte und damit 15-mal Freibier konnten der OB und sein Gefolge die Stärkung gut gebrauchen.

In der Zwischenzeit füllte sich die Vogelwiese rasch. Die Familien mit Kindern zogen zwar nach der ein oder anderen Runde Riesenrad oder Karussell langsam heimwärts. Doch nun trafen die tanzwütigen Nachtschwärmer ein. Der Satz: "Hier trifft man Leute, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht", kam von vielen Lippen. Und so war es dann auch. Man traf sich, freute sich, begrüßte sich. Und nach Herzenslust wurde bis in die frühen Morgenstunden getratscht, gegessen, getanzt, gelacht und auch der ein oder andere Schluck genossen. Kirschfest 2012: Wohl bekomms!