Die Welt auf der Banderole

11.05.2012 18:31 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 19:02 Uhr
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Collagen und Textilarbeiten der halleschen...

Collagen und Textilarbeiten der halleschen Künstlerin Katrin Röder stellt das Amtsgericht Naumburg in zwei Fluren aus. Donnerstagabend nahm die Künstlerin ihre Vernissagegäste mit auf eine Reise durch ihre Arbeiten. (FOTO: T. BIEL)

Von jana kainz
Das Amtsgericht Naumburg ist alles andere als ein Ort der Leichtigkeit des Lebens, und dennoch zog genau diese Donnerstagabend in die Flure des Gebäudes ein - in Form einer Collage.
naumburg. 

"Tage wie Seide" ist eine der 16 Arbeiten, die die freischaffende Künstlerin Katrin Röder dort ausstellt. Mit der Collage startete die Hallenserin zur Vernissage eine Reise durch ihre Ausstellung "Collagen / Textil". Dabei nahm sie ihre Gäste mit zurück ins Jahr 2003, als sie sich im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf für einen Arbeitsaufenthalt niedergelassen hatte.

In der 184-Seelen-Gemeine traf sie auf internationale Künstler, die wie sie unentwegt arbeiteten. "Ich hatte das Gefühl, auf einer merkwürdigen Insel gestrandet zu sein, auf der es nur Arbeit gibt", erzählte sie. Das Schloss und seine Umgebung, in der die Zeit stehen geblieben zu sein schien, hätten einen "magischen Zauber ausgestrahlt". Die Tage seien wie Seide gewesen. Diese Leichtigkeit des Lebens wollte sie festhalten. Dieses Gefühl würde von der Pusteblume symbolisiert. Ein großes Feld davon fand sie in Wiepersdorf. Für die Collage legte sie die Samen der säckeweise gesammelten Pusteblumen unter japanisches Opferpapier. So fror sie die Leichtigkeit des Lebens ein. Dabei habe sie festgestellt, wie schwierig es sei, "im Festen den leichten Körper zu zeigen".

Wie "Tage wie Seide" fällt ein zweites Werk der Ausstellung aus dem Rahmen: "Kleiner Käfer". Es ist eine Emaille-Arbeit, die 2009 entstanden ist. Der kleine Käfer erzählt von der Sammelleidenschaft seiner Schöpferin. So hält ein Emailleschild mit der Aufschrift "Niedrigst. Wasserst." die zwei roten Flügel zusammen. "Das Schild habe ich von einem Flohmarkt", so die Künstlerin. Auch in anderen Werken wie in der Collage "Blicke, dicht" spiegelt sich ihr Faible fürs Sammeln wieder. Zu sehen sind darauf auch Briefmarken aus Belgien, Polen oder Tanzania. Aus der ganzen Welt kaufte sie Zigaretten- und Zigarrenbanderolen, um sie zu einer Collage zusammenzubringen, die an die Ausstrahlung einer russischen Kathedrale erinnert. "Blaue Stunde" nannte sie das Werk, weil es für jene Zeit stehe, in der man sich etwas gönnt. "Sie sind das erste Publikum, mit dem ich darüber spreche." Dass für sie das Werk nicht nur im Ganzen wichtig ist, sondern jedes Detail, wurde deutlich, als sie feststellte: "Die Welt existiert auf der Banderole".

Mit Leidenschaft erzählte sie, dass sie nach 20 Jahren noch immer mit der gleichen Begeisterung Papier schöpft. Aus farbigem Karton oder Pflanzen wie Brennnesseln schöpft sie Papier. Dem Brei fügt sie fasrige Materialien hinzu vom Tee über Kaffee bis hin zu Geschenkband-Schnipseln. Beim Schöpfen durchwirkt sie das Papier den Jahreszeiten entsprechend. So greift sie auch zum Lametta - wie beim Werk "Schwemmland". Es zeigt ein Nest - ein Thema, das sich in ihren pastelligen bis farbintensiven Collagen wiederfindet.

"Das Nest ist ein Symbol für die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach einem Zuhause. Und ich bin nach den Jahren der Wanderschaft wieder angekommen", spielte Katrin Röder auf ihre Studien- und Arbeitsaufenthalte im In- und Ausland an. Zu sehen ist die Ausstellung bis September während der Dienstzeiten des Amtsgerichtes.