1997, nur zwei Jahre nach Gründung der Philharmonie der Nationen, kam der Ausnahmemusiker das erste Mal in die Unstrutstadt. Und man müsse überlegen, "ob man nicht ein Wochenende aus dem Konzert machen sollte", dachte Frantz laut auf der Bühne nach, denn der Lichthof war auch zu diesem Konzert in der Reihe MDR-Musiksommer wieder restlos ausverkauft.
"Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche." Shakespeares Tragödie der Liebenden von Verona hat Peter Tschaikowski in seiner Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" auf geniale Weise musikalisch verdichtet. Für Justus Frantz war dies der reizvolle Einstieg in das Programm des Freyburger Nachmittags, dramatisch, effektvoll, lyrisch, mit der klangschönen Kantilene, dem Liebeslied des Paares, als Höhepunkt. Dazu war ein Dirigent zu erleben, der optisch immer präsent ist und zwischen den Titeln etwas dazu erzählt. Auch so liebt ihn sein Publikum. Und es liebt das klanggewaltige Orchester mit dem großen Streicheraufgebot, das wie immer die Bühne füllte: Junge, hochbegabte Musiker aus fünf Kontinenten und mehr als 50 Nationen. Mit dem Violinkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart hat Frantz seiner jungen Ehefrau einen glanzvollen Platz im Programm geschaffen. Die hochbegabte Moskauer Violin-Solistin Ksenia Dubrovskaya (1979 geboren) interpretierte mit großer Hingabe eines von fünf Violinstücken, die Mozart im Alter von 20 Jahren komponiert hatte. Die Künstlerin brachte dabei ein sehr wertvolles Instrument zu schönstem Klang - eine Violine von Giovanni Battista Gabbrielli von 1770. Und in den Sekunden zwischen dem Allegro aperto und dem Adagio geschah dann eine liebenswerte und vom Publikum mit Beifall bedachte Geste: die Dubrovskaya zog aus der Jackentasche ihres Mannes ein Tuch hervor, um sich über die Stirn zu wischen. Es war an diesem Sommernachmittag heiß in der Halle.
Nach der Pause widmete sich Frantz der 5. Sinfonie von Peter Tschaikowski, einem Werk, das der Komponist als misslungen ansah. Dass es heute zu den beliebtesten Stücken Tschaikowskis gehört, bewies der Dirigent mit seinem Orchester in Freyburg einmal mehr.
Tosenden Beifall am Ende, Bravo-Rufe, Standing Ovation. "Da haben Sie sich eine Zugabe erstritten", sagte ein glücklicher Justus Frantz. Nicht irgendetwas wurde da zugegeben. Nein, Frantz und die Philharmonie der Nationen spielten die Ouvertüre von Beethovens Schauspielmusik zu Goethes Trauerspiel Egmont. "Anders als bei Goethe", erläuterte dazu Frantz, "geht es am Ende um das Gute." Darum seien sich Beethoven und Tschaikowski eben so ähnlich.