Margot Käßmann. (FOTO: DPA)
"Wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Kinder heute ganz ohne Lieder aufwachsen - es ist ein Armutszeugnis", befindet Käßmann, die auch Schirmherrin der halleschen Händel-Festspiele ist. Morgen werden sie eröffnet. Dass Käßmann ein Herz für Händel hat und überhaupt für die Musik, versteht sich natürlich von selbst bei einer Theologin. "In einer vollbesetzten Kirche einen Choral zu schmettern, ist eine wunderbare Erfahrung", sagt sie. Aber eben da liegt der Hase im Pfeffer. Viele Menschen teilen diese Erfahrung des gemeinsamen Singens nicht mehr. "Mir scheint, das Gemeinschaftsgefühl geht zurück", beklagt Käßmann. Alles werde individualisiert. "Und das ist ein Verlust." Kürzlich, erzählt die Theologin, habe sie ein Altersheim mit Demenzkranken besucht und gemeinsam mit den Patienten gesungen: "Der Mond ist aufgegangen" und "Wenn alle Brünnlein fließen". Alle seien dabei gewesen. Da habe sie sich gefragt, was geschehen mag, wenn die jetzt Heranwachsenden alt werden: "Welche Lieder kennen die noch?" Das muss man ernst nehmen. Aber vielleicht sieht die Zukunft trotzdem weniger düster aus: Beim Händel-Fest zum Beispiel gibt es eigens ein Programm für Kinder. Mit Tanz und viel Gesang. Das steckt hoffentlich an.