Findelkind ist über den Berg

10.05.2012 08:45 Uhr | Aktualisiert 10.05.2012 08:51 Uhr
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Rita Hilpert

Das schmeckt: Rita Hilpert füttert nun auch schon Bananenbrei, Walnüsse oder auch mit Honig angereicherte Haferflocken. (FOTO: GUDRUN SCHRÖDER)

Von Gudrun Schröder
Mal wieder ausschlafen können, das wünschte sich in den vergangenen Wochen die Malerin Rita Hilpert aus Freyburg. Nicht das Malen bereitete der Künstlerin Kopfzerbrechen und raubte ihr die Nachtruhe, sondern ihr Findelkind - ein Eichhörnchen.
Freyburg. 

Das Aufziehen des kleinen Nagers ist überaus mühsam. Aller zwei Stunden, rund um die Uhr, musste das "Baby" gefüttert werden. Inzwischen hat sich der Abstand zwischen den Fütterungen vergrößert. Mit Milch, die zur Aufzucht von Hundewelpen verwendet wird - verabreicht per Spritze mit Nuckelaufsatz -, päppelte Frau Hilpert das Eichhörnchen auf. Mühsam hat sie dem Tier das Trinken beigebracht. Inzwischen bekommt es Bananenbrei, geraspelte Möhren und Walnüsse, Haferflocken mit Hirse, Eigelb und Honig.

Aus dem Kobel gefallen

Vor fünf Wochen hatte Martin Hilpert vier junge Eichhörnchen auf der Steintreppe im Garten gefunden. Sie können nur aus dem Kobel, so heißt das Nest der Eichhörnchen, von der fünf Meter hohen Fichte gefallen sein, mutmaßt das Ehepaar. Hilperts legten die Tierchen in ein Körbchen mit Laub unter den Baum. Als sich auch nach längerer Zeit das Muttertier nicht blicken ließ, entschloss sich Frau Hilpert, die frierenden Findelkinder mit ins Haus zu nehmen und selbst aufzuziehen. Sie sei sich der Verantwortung bewusst gewesen, versichert die Freyburgerin. "Aber als ich die kleinen Bündel in meinen Händen hielt, war ich sofort hin und weg", sagt die 71-Jährige. Sie habe den Tierarzt und den Leipziger Zoo konsultiert.

Jede Menge Ratschläge und wichtige Hinweise für die Aufzucht erhielt sie von der ökologischen Station der Natur-Förderungsgesellschaft in Borna. Aber auch im Internet habe sich ihr Enkel kundig gemacht.

Nur eines der Jungen überlebte

Private Termine hat die Malerin dann erst einmal abgesagt. Nach ihren Recherchen waren die Tiere etwa drei Wochen alt, als sie aus dem Nest fielen. Leider sind nach zehn Tagen drei der Eichhörnchen-Jungen verstorben. Doch eines hat überlebt, es wog, als Rita Hilpert es aufnahm, gerade mal 46 Gramm. Inzwischen hat es kräftig zugelegt und fühlt sich pudelwohl. Rita Hilpert hat für das Tier, das ein Weibchen ist, eine Karteikarte angelegt, auf der täglich das Gewicht, die Futterarten, Fütterungszeiten, auch das erste Öffnen der Augen, die ersten Zähne und die ersten Kletterversuche genau dokumentiert wurden.

Hilfe und Unterstützung erhält Frau Hilpert von ihrem Mann. Er hat auch eine große Voliere gebaut, mit Schlafkasten zum Verstecken, Toilette, Futter- und Wassernäpfchen und mit vielen Ästen zum Klettern und Toben. "Ohne ihn könnte ich den ganzen Aufwand gar nicht betreiben", bemerkt die Malerin. Er ist auch nicht verärgert, weil zurzeit das gemeinsame Frühstück auf der Strecke bleibt, da die Versorgung des Eichhörnchens Vorrang hat.

In einigen Wochen Auswilderung

Gerade Eichhörnchen würden viel Zuwendung und Körpernähe benötigen, wollen wie alle Jungtiere spielen und gestreichelt werden. Es falle sehr schwer, den Kontakt zu dem pelzigen Gesellen nicht gar zu eng werden zu lassen, denn in etwa fünf, sechs Wochen heißt es Abschied nehmen, dann soll das Tier ausgewildert werden. Denn so weh es auch nach wochenlanger, schwieriger Aufzucht tut, so weiß die Malerin doch, dass Eichhörnchen in die Natur gehören. Hier wird auch Hilperts kleiner Schützling sein Leben selbst in seine Eichhörnchenpfötchen nehmen.