Vom Sperrschild bei Glockenseck lassen sich viele nicht abhalten, zumal mancher die Gefahr auf der Ausweichstrecke derzeit für größer hält. FOTOS(2): R. WISSENBACH
Seit über einem Jahr allerdings ist der Radwegabschnitt bei Glockenseck gesperrt. Aus der Steilwand stürzende Gesteinsbrocken waren der Anlass (Tageblatt / MZ berichtete). Die Radfahrer werden über einen Wirtschaftsweg an der Gefahrenstelle vorbeigeleitet. Dort allerdings kommt es zu Konflikten mit dem Anliegerverkehr zu den Weinbergen. "Das ist auf Dauer kein Zustand. Die Gefahr, auf dem Wirtschaftsweg von einem Fahrzeug erfasst zu werden, ist größer als die, auf dem Weg an der Steilwand von einem Steinbrocken getroffen zu werden", so Bürgermeister Michael Bilstein am Dienstagabend im Lauchaer Gemeinderat.
Das Gremium verabschiedete einstimmig eine Willensbekundung, in der es sich für den Erhalt der alten Wegeführung ausspricht und die Verbandsgemeinde Unstruttal, Träger des Radweges, ersucht, eine Lösung zu finden, um die Sperrung aufheben zu können.
Für Bilstein ist auch klar: Die Verbandsgemeinde muss sich da Partner suchen, den Kreis etwa, was angesichts der Bedeutung des Radweges für den Fremdenverkehr naheliegt. Auch der Landesbetrieb Hochwasserschutz, zuständig für die Unstrutufer, müsse ins Boot. Lösungsansätze gibt es mehrere. So steht erst einmal die Frage im Raum, ob der Weg tatsächlich das ganze Jahr gesperrt sein muss, da Felsstürze erfahrungsgemäß nach Tauwetter im Frühjahr und längeren Niederschlagsperioden drohen. Die Organisatoren des Himmelswegelaufes, der für den 16. Juni angekündigt ist, sehen es nicht so eng. Die Läufer werden den Weg direkt unter der Steilwand nutzen, so Bilstein. Die Sperrung des Weges auf bestimmte Perioden zu begrenzen, hält auch Matthias Henninger, Geologe im Naturpark Saale-Unstrut-Trias-Land für möglich. Die Felswand müsse da aber regelmäßig, etwa jedes Frühjahr, begutachtet und absturzgefährdetes Gestein in Absprache mit der Naturschutzbehörde entfernt werden.
"In den Alpen müsste man jeden zweiten Weg sperren", hieß es im Lauchaer Rat und gefragt wurde: "Reicht nicht ein Schild, Nutzung auf eigene Gefahr?" Dass Gefahren in der Natur nie ausgeschlossen werden können, entbinde den Träger des Weges nicht von einer gewissen Vorsorge, so der Geologe. Welchen Umfang die haben muss, dass müssten Juristen prüfen.
In einem Konzept für die Verbandsgemeinde Unstruttal hatte Henniger sich zu baulichen Vorkehrungen geäußert. Sicherungen an der Wand selbst wären teils zu aufwendig, teils nicht sinnvoll. Für zweckmäßig hält Henniger einen Geröllfang am Fuß der Wand. Der könnte so gestaltet werden, dass er in die Landschaft passt. Wo es die nahe Unstrut zulässt, sollte der Weg von der Wand weg verlegt werden. Es gibt allerdings Stellen, an denen die Trasse unter überhängendem Fels hindurchführt, die nicht verlegt werden können. Die könnten lediglich durch eine Überdachung geschützt werden. Die Sicherung ist kein technisches Problem, sondern ein finanzielles. Das weiß Bilstein. "Doch wenn wir uns nicht positionieren, wird gar nichts passieren", sagt er.