Für viele eine Entdeckung

09.08.2012 09:11 Uhr | Aktualisiert 09.08.2012 09:13 Uhr
Auch zum diesjährigen Tag der offenen Weinkeller erklärte Bernd Längricht (l.) seinen Gästen, wie er als Kleinerzeuger aus Trauben Wein macht. (FOTO: H.-D. SPECK) 
Von hans-dieter speck
Das war ganz in Familie: Bernd und Gerlinde Längricht begrüßten jeden ankommenden Gast freundlich und mit Handschlag - egal ob sie ihn schon kannten oder ob da ein neuer Interessent vor ihnen stand. Das kleine Weingut in Weischütz ist für manchen noch eine echte Entdeckung.
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weischütz. 

Nur zweimal im Jahr hat ihr "Weingarten", wie die Nebenerwerbswinzer ihr Weingut nennen, für den Ausschank geöffnet: Zum Freyburger Weinfrühling und - wie halt am vergangenen Wochenende - zu den Tagen des offenen Weinkellers in der Saale-Unstrut-Region.

Im Vorgarten des Einfamilienhauses am Rande des Dorfes waren bei schönstem Wetter zwei Zelte aufgebaut, Bänke und Tische rausgerückt worden. Und es wurde natürlich ausgeschenkt, was der kleine Weinkeller hergab. Das war schon einiges, obwohl Längrichts nicht über gar so große Anbauflächen verfügen (siehe auch "Daten"). Der 2011er Jahrgang war aber auch für den Kleinwinzer ein großes Geschenk. "Da kann man nicht meckern", machte Bernd Längricht daraus kein Geheimnis. "Mein kleiner Weinkeller ist gut gefüllt." Um vier 500 Liter Tanks hat er die Kellerkapazität erhöht.

"Das war ein Bilderbuchfrühling, mit Weinblüte schon im Mai. Der Regen im Juni war hilfreich, und ab Mitte September gab es noch einmal Hochsommer", erzählte er seinen Gästen im Rückblick. Da habe er dann seine Weißburgunder Spätlese mit 100 Öchsle und die Kerner Auslese mit 106 Öchsle ausbauen können. Aber auch der Weißburgunder QbA könne mit Spätlesequalität aufwarten. Die Gäste ließen sich die Kostproben auf der Zunge zergehen. Lobende Worte bestätigten die Qualitätseinschätzung des Winzers. Vier weiße Sorten, ein Rosé und zwei rote - alles vom Super-Jahrgang 2011 - konnten probiert werden. Nur der Riesling war schon alle.

Im wohnstubengroßen Keller werden die Weine ausgebaut. Bernd Längricht, der im Hauptberuf als Versicherungsangestellter arbeitet, besitzt schon ein goldenes Winzerhändchen. Im Garten waren ein paar Gerätschaften aufgebaut, um zu demonstrieren, wie aus Trauben Wein wird. Während der Winzer erklärte, servierte Ehefrau Gerlinde schon mal Speckkuchen - unterstützt von der zwölfjährigen Rebecca aus dem Hessischen, die bei Onkel und Tante Ferien macht.

Und wieder kamen neue Gäste. Diesmal waren es Leipziger. Der Weingarten liegt direkt am Radweg. "Herzlich willkommen", sagten die Längrichts. "Und schade", meinte die Familie Bahr aus Naumburg, "dass hier nicht öfters geöffnet ist", die gleich noch eine Flasche Wein mit nach Hause nahm. Längricht ist und bleibt eben ein Geheimtipp für Weingenießer.