Gaunerbande im Cadillac

04.05.2012 19:11 Uhr | Aktualisiert 04.05.2012 20:19 Uhr
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Nicht für einen neuen Coup, sondern fürs...

Nicht für einen neuen Coup, sondern fürs Mittwochsgespräch fuhren Egon Olsen, Benny und Yvonne im Cadillac zum Oberlandesgericht. (FOTO: JANA KAINZ)

Von jana kainz
Obwohl es keinen mit Reichtümern gefüllten Franz-Jäger-Tresor gibt, der sich mit Egons Stethoskop und Fingerspitzengefühl knacken ließe, steuerte das bekannte Gaunertrio "Olsenbande" das Oberlandesgericht (OLG) Naumburg an.
naumburg. 

In einem der Säle wurde die Bande samt Yvonne - Ehefrau eines Gangmitgliedes - von OLG-Präsident Winfried Schubert bereits erwartet - aber nicht, um die Kleinganoven zu verknacken. Vielmehr war die Würchwitzer Olsenbande - ein gelungenes Pendant zum Kopenhagener Original - zum jüngsten Mittwochsgespräch gekommen, um sich und ihre Arbeit am Set und nicht am Tresor den zahlreichen Gästen vorzustellen.

Dafür reiste sie im gut 52 Jahre alten Cadillac Sedan 62 an und zog damit alle Blicke auf sich. Der Schlitten, der als "Salvador Dali" unter den Cadillacs des 1959er Jahrganges gilt, gehörte keineswegs den drei Gaunern. Er war auch - wie nun naheliegen könnte - kein Diebesgut, sondern ein vom Hohenmölsener Bäcker Hanke geliehener Oldtimer.

In dem saßen kurz vor dem Mittwochsgespräch Egon, Benny und Yvonne. Kjeld mit seiner Doktortasche fehlte. Reichlich verspätet traf er im OLG ein. "Ich war wieder mal auf dem Arbeitsamt", scherzte Kjeld alias Andreas Schaller. Termine hatten den im wirklichen Leben viel beschäftigten Schmied von seinen Verpflichtungen als Laienschauspieler aufgehalten. Wenn auch die meiste Zeit des Abends nicht leibhaftig dabei, so war Kjeld doch auf der großen Leinwand zu sehen. Wie der Schmied und seine Laien-Schauspielkollegen - das sind als Egon der Würchwitzer Ex-Bürgermeister und Pferdezüchter Friedrich-Karl Steinbach, Malermeister Steffen Gruner als Benny und die Bankangestellte Steffi Pöschel als Yvonne - zum Film kamen, davon erzählte Drehbuchautor Helmut Pöschel.

Alles habe mit der Eröffnung seines Milbenkäsemuseums begonnen. Teil dieser Ausstellung ist ein uralter Milbenkäse, den Pöschel in einem Tresor aufbewahrt. Während des ersten Rundganges durch die Schau sei die Frage aufgekommen, wer schon einen Tresor wegen eines alten Käses aufbreche. "Egon" sei die prompte Antwort gewesen, erzählte Pöschel. Statt eines Castings verhalfen einst Zufälle zur Rollenbesetzung. So klopfte Pöschel beispielsweise beim Dorfschmied an, um von ihm für Kameraaufzeichnungen einen Tresor fachmännisch aufschneiden zu lassen. Als der Probedreh im Kasten war, stellte Pöschel fest, dass nicht nur die Aufnahme perfekt war, sondern auch der Schmied die ideale Kjeld-Besetzung ist. Damit hatte ein überrumpelter Andreas Schaller eine Filmrolle.

Zu welch großer Bekanntheit und Fangemeinde es das Würchwitzer Filmstudio mit Kameramann Thomas Linzner nach vier Produktionen gebracht hat, dazu zeigte Pöschel Ausschnitte aus diversen Fernsehmagazinen. Dabei gab es auch Einblicke, mit welchen Tricks und welchem Engagement die Olsenbanden-Filme entstehen. Der Werdegang lässt keinen Zweifel daran: Auch für die Würchwitzer Bande ist nach dem Dreh vor dem Dreh. Immer wieder wird von Fans ein Nachschlag bestellt. Und Pöschel fallen stets neue Coup-Ideen ein, die er mit viel Lokalkolorit würzt. So verriet er, dass der nächste Streifen 16 Minuten kurz sein wird. "Danach kommt wieder was Längeres", versprach er, nachdem er den Streifen "Die Olsenbande und die Suche nach dem Bernsteinzimmer" gezeigt hatte.