Getauft mit Unstrutwasser

15.05.2012 18:55 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 18:57 Uhr
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Johanna Christiana  Schumann,  geborene...

Johanna Christiana Schumann, geborene Schnabel, ist 1767 in Karsdorf geboren worden. Bisher war der Geburtsort unbekannt. (FOTO: SCHUMANN-GESELLSCHAFT)

Von Gudrun Schröder
Das Rätsel um die Herkunft der Mutter des berühmten Komponisten Robert Schumann ist gelöst. Sie wurde am 28. November 1767 in Karsdorf geboren und zwei Tage später, am 30. November 1767, in der dortigen St. Laurentius-Kirche getauft.
Karsdorf. 

Gerd Nauhaus, Vorsitzender der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau, hat das in jahrelangen Recherchen ermittelt.

Geburtsort war unbekannt

Eine Gedenktafel an der Karsdorfer Kirche dokumentiert jetzt den Status von Karsdorf als Geburtsort von Johanna Christiana Schnabel. Nauhaus und Pfarrer Michael Röpke haben sie am Sonnabend enthüllt. Nauhaus hatte Nachforschungen zu den Eltern des Komponisten angestellt. Der Geburtsort der Mutter, so der Vorsitzende der Schumann-Gesellschaft, sei bis vor kurzem noch vollkommen unbekannt gewesen. Es kursierten falsche Angaben sowohl zum Geburtsjahr als auch zum Geburtsort. Da, wie Nauhaus erläuterte, die Familie wenige Monate nach der Geburt der Tochter wieder zurück nach Zeitz übergesiedelt war, hatte man Zeitz als Geburtsstadt angenommen, hatte dort aber keinerlei Nachweis in den dortigen Kirchenbüchern auffinden können.

Als Militärchirurg in Karsdorf

Grund war der Beruf von Schumanns Großvater. Der Vater von Johanna Christiana Schnabel diente als Militärchirurg in der preußischen Armee. Der Regimentsstandort war zwar Weißenfels, aber die einzelnen Truppen-teile waren weit verteilt. Anfang des Jahres 1767 heiratete Abraham Gottlob Schnabel, und seine Frau folgte ihm an seine Stationierungsorte, so auch nach Karsdorf. Nach neun Monaten Ehe erblickte hier an der Unstrut Johanna Christiana als erste von zehn Geschwistern das Licht der Welt.

Bei der Suche nach dem Geburtsort hatte Nauhaus die Dörfer Karsdorf, Wetzendorf und Wennungen im Blick, bis sich bei den endgültigen Ermittlungen Karsdorf als der Geburtsort herauskristallisiert hatte. Pfarrer Röpke, mit dem er in Kontakt getreten war, habe die Eintragung, dass die Familie Schnabel in Karsdorf gewohnt hat und die Tochter hier getauft worden ist, im alten Kirchenbuch entdeckt. Dies sei eine ganz neue Erkenntnis.

Tafel weist auf Sachverhalt hin

Da dies laut Nauhaus für die Robert-Schumann-Gesellschaft einen neuen, außerordentlichen Sachverhalt darstellte, habe man sich dazu entschlossen, an der Kirche eine Gedenktafel anzubringen. Im jetzigen Taufstein in der Karsdorfer Kirche ist Johanna Christiana Schnabel allerdings nicht getauft worden. Der Stein war vom Steinbauer Johann Gottlieb Böttger erst 1831 angefertigt worden.

Zur feierlichen Enthüllung hatte der Pfarrer auch zahlreiche mit einem Bus angereiste Mitglieder der Robert-Schumann-Gesellschaft aus Zwickau sowie Karsdorfer Kirchenmitglieder im Gotteshaus begrüßen können. Nach einer kurzen Vorstellung des Dorfes und der Kirche erklangen Musikstücke von Johann Christoph Bach und Johann Pachelbel auf der Orgel, gespielt von Thomas Synofzik.