Hier sind alle doppelt, auch das Lottchen

10.06.2012 18:35 Uhr | Aktualisiert 10.06.2012 21:27 Uhr
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Harry und Lloyd kommen aus Kamerun und leben...

Harry und Lloyd kommen aus Kamerun und leben mit ihren Eltern in Raunheim bei Frankfurt/Main. (FOTO: MZ)

Von hans-dieter speck
Nein, Rotkäppchen-Marketingchefin Ilona Kaiser und Gästeführerin Maria Hesse hatten nicht ein wenig zuviel vom eigenen Sekt geschnasselt, als sie Sonnabendvormittag alles doppelt sahen.
kleinheringen/freyburg. 

Zur Führung durch die Sektkellerei hatten sich 54 Zwillingspaare eingefunden. "Kein Zufall", lachten Nadine und Gwendolin Scheibe (32), zwei fröhliche Blondinen, wie aus einem Munde. "Diesmal haben wir uns für das jährliche Treffen Unstrut und Saale ausgesucht". Die Scheibe-Zwillinge sind Präsidentinnen des Deutschen Zwillingsclubs, der 1985 in Werdau / Sachsen gegründet worden war. "Zwilling zu sein, empfinden wir als etwas ganz Besonderes, uns verbindet vieles", sprechen die Zwei, die beide den gleichen Beruf gelernt haben und heute als Individualkundenberaterinnen bei der selben Bank arbeiten, für viele ihre Clubmitglieder. Die erschienen nicht nur einheitlich gekleidet, bei vielen stimmte alles - von Schuhen bis zu Frisur und Schmuck.

Im Doppelpack trafen sich die 108 Frauen und Männer am Freitag zunächst im Landhotel Sonnekalb, Kleinheringen, wo sie auch übernachteten, unternahmen nach der Sektkellereiführung eine Floß- und Schlauchbootfahrt auf der Saale, waren zu Gast im Weingut Zahn in Kaatschen, tanzten in der Sonnekalbschen Festscheune.

Viele Geschichten waren da zu hören. Geschichten von den "doppelten Lottchen", die oft ihre Mitmenschen zur Verzweiflung bringen, wie eben die zweifach identischen Bankkauffrauen, aber auch Lehrerinnen oder Krankenschwestern. Die meisten der eineiigen Zwillinge halten ein Leben lang engen Kontakt, auch wenn sie - logisch - unterschiedliche Ehepartner und Kinder haben. Wie Britta Bartnitzky und Liane Rühle (43) aus Großenhain und Dresden: "Man ist eins, jeder weiß, wie der andere tickt." Anders bei Kerstin Fuldner aus Leipzig und Simone Oehmischen aus Dresden. Sie kennen sich erst seit ihrem 16. Lebensjahr. "Wir sind bei Adoptiveltern als Einzelkinder groß geworden. So ein ganz inniges Verhältnis stellt sich da nicht mehr ein." Dennoch: "Meine Zwillingsschwester ist heute meine beste Freundin", bekennt Britta und Liane nickt zustimmend.

Jüngste beim Zwillingstreffen in Naumburg waren Harold und Lloyd Bema, zwei lustige Lausbuben, die fließend deutsch, französisch und englisch sprechen. Die Siebenjährigen aus Kamerun, die mit ihren Eltern in Raunheim bei Frankfurt leben, nehmen seit 2006 an den Zwillingstreffen teil, waren schon sechs Mal in TV-Sendungen und sind sicher dabei, wenn der MDR am 29. Juni "Unter uns" sendet. Mit Klaus und Peter Steinbach (71) aus Chemnitz kamen die ältesten Teilnehmer zum Treffen. Erstaunlich: Beide sind Väter von drei Kindern und haben jeder auch drei Enkel.

Das Treffen an Saale und Unstrut wird in guter Erinnerung bleiben, finden nicht nur die Scheibe-Zwillinge Nadine und Gwendolin. Zum Abschied sang der Chor hundertstimmig die Clubhymne: "Zwilling sein fetzt ein! Da ist man nie allein! Bei Streichen, Spaß und Ärger - gemeinsam ist man stärker."