Mit Puppen aus dem Steckbrett können Opferberaterin Katrin Knoblauch (r.) und Studentin Claudia Zahnert mit Opfern Situationen nachstellen. (FOTO: MZ)
Es ist die sechste im Land. "Sachsen-Anhalt hat als erstes Bundesland Anfang der 90er Jahre eine staatliche Opferberatung und Zeugenbetreuung durch den Sozialen Dienst der Justiz eingerichtet", so Katrin Knoblauch. Inzwischen wird die Beratung flächendeckend angeboten. "In anderen Ländern wird die Aufgabe Vereinen übertragen oder es werden Polizisten dafür abgestellt", sagt sie.
In Sachsen-Anhalt kümmern sich geschulte Mitarbeiter um Kinder und Erwachsene, die nicht nur Opfer von Gewalt- oder Sexualdelikten geworden sind, sondern auch von Raub, Betrug, Körperverletzungen oder Nötigung. "Die Opfer sind überwiegend weiblich, und", resümiert Katrin Knoblauch aus ihren Erfahrungen als Beraterin, "die häusliche Gewalt nimmt zu." Dabei gehe es nicht nur um Sexualdelikte. Auch im Pflegebereich bleibe die häusliche Gewalt oft unentdeckt. Die Vernachlässigung in der Ernährung oder Körperpflege würde erst bemerkt, wenn der Arzt kommt. Zunehmend verzeichne sie, dass Behinderte Opfer von Gewalttaten werden.
Meist werde über die Polizei der Kontakt zwischen Opfer und Beraterin hergestellt. Aber das heiße nicht, dass nur der beraten werde, der eine Anzeige erstattet hat. Kommen die Opfer zu ihr, gilt es, sie zu stabilisieren. "Sie haben bisher niemanden gefunden, der ihnen zuhört. Sie fühlen sich verletzt und oft auch schuldig." Die Beratung verlaufe nicht nach einem Schema, sondern situativ, individuell und nicht unbedingt im Büro. "Auch Hausbesuche sind möglich, da kann das Opfer in seinem Schutzraum bleiben", so die Beraterin. Stehe eine Gerichtsverhandlung an, schauen sie sich zuvor gemeinsam den Gerichtssaal an und besprechen, was auf die Opfer zukommen könnte. "Dabei helfen die Puppen des Steckbretts, mit denen eine Situation im Gericht oder jedes andere Geschehen nachgestellt werden kann", so die Beraterin.
Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Prävention. Mit Studentin Claudia Zahnert entwickelte sie das Projekt "Stark sein - Kinder ermutigen, das eigene Ich zu leben" für Kindertagesstätten und Grundschulen. "Mit der Zuckertüte wird den Kindern eine große Verantwortung aufgeladen, es beginnt das Erwachsenwerden, und sie kommen in eine neue Gruppe, dafür wollen wir sie stark machen", so die Beraterin. Ein anderes Problem taucht nach dem Schulwechsel auf: Mobbing. Dafür würde sie gern ein Projekt entwickeln, um mit den älteren Schülern an diesem Problem zu arbeiten. Außerdem wünscht sie sich für die Präventionsarbeit einen männlichen Kollegen. Hilfreich seien auch ehrenamtliche Mitarbeiter. So wie einst in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Naumburg.
In diesem arbeitete sie 13 Jahre als Sozialarbeiterin. Mit dem Umzug der Langzeitinsassen 2010 nach Burg stand auch für sie eine Veränderung an. Sie wurde für ein halbes Jahr für die bis dahin in Naumburg noch nicht ansässige Opferberatung abgeordnet. "Um zu sehen, ob das etwas für mich ist."
Während ihrer Zeit in der JVA arbeitete sie auch mit den Angehörigen der Gefangenen. Durch die Tätigkeit sind Kontakte zu Behörden entstanden, die sie weiter nutzt. "Netzwerke sind wichtig", so Katrin Knoblauch. Um den Opfern schnell gezielt helfen zu können, arbeitet sie mit verschiedenen Professionen in Fallgruppen zusammen. Diese würden sich schnell zusammensetzen, wenn sie einen verzwickten Fall anonym besprechen möchte.
Opferberatung in Naumburg, Domplatz 1a, Telefon 03445 / 23 53 41 oder 03445 / 23 53 42 , Infos im Internet unter www.mj.sachsen-anhalt.de