Jubiläum an der Drehscheibe

27.04.2012 17:47 Uhr | Aktualisiert 27.04.2012 17:48 Uhr
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Die aus Berlin stammende Madleen und ihr Mann...

Die aus Berlin stammende Madleen und ihr Mann Konrad Kröner, der ein Kahlwinkeler ist. (FOTO: GUDRUN DCHRÖDER)

Von Gudrun Schröder
Die Fayence-Keramik mit den lustigen Tiermotiven ist längst ein Markenzeichen weit über die Grenzen des Burgenlandkreises hinaus geworden. Aber auch das salzglasierte Geschirr mit den blauen Verzierungen hat seit Jahren seine Liebhaber.
Kahlwinkel. 

Die Töpferei Kröner in Kahlwinkel ist bekannt für ihr geschmackvolles Design, für ihr Handwerk mit eigener künstlerischer Note. Die Töpfermeister Madleen und Konrad Kröner können in diesem Monat auf eine 30-jährige eigene Töpfereigeschichte zurückblicken.

Idealismus "Töpfe zu machen

Genau am 1. April 1982 hatten sie ihre offizielle Gewerbeerlaubnis erhalten. Fünf, maximal zehn Jahre wollte das Ehepaar damals in Krawinkel, dem Heimatdorf von Konrad Kröner, bleiben. An einen Weggang sei nun aber überhaupt nicht mehr zu denken. "Wir haben uns hier wunderbare Arbeitsbedingungen geschaffen, ich muss nicht in der Stadt leben", sagte die aus Berlin stammende Madleen Kröner. In den 30 Jahren habe sich vieles verändert, aber geblieben sei ihr Idealismus "Töpfe zu machen".

Als Künstlerin betrachtet sich Madleen Kröner nicht. Aber künstlerisch ist das durchaus, was in der Kahlwinkeler Töpferei produziert wird. Den Ton in die richtige Form zu bringen und mit viel Geschick die Masse auf der Töpferscheibe zu Gefäßen zu formen, das hat Frau Kröner in Bürgel nämlich von der Pike auf gelernt. In Haldisleben hatte sie ihre erste Arbeitsstelle als Gesellin und ihren Meisterabschluss gemacht. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur in Berlin Kunst studieren, hatte aber schließlich das Handwerk dem Studium vorgezogen. In Haldisleben lernte Madleen auch Konrad Kröner kennen, der dort als Diakon für Jugendarbeit arbeitete.

Ehemann war ihr erster Lehrling

Beide waren sich aber ziemlich schnell einig, sich selbstständig ihre eigene Töpferei aufbauen zu wollen. "Mit offenen Armen wurden wir 1981 von Konrads Eltern in Kahlwinkel empfangen. Sie waren Feuer und Flamme von der Idee und unterstützten uns", erzählt die 53-Jährige. Die Garage wurde zur Töpferwerkstatt umgebaut, und ein Jahr später war Konrad Kröner der erste Lehrling seiner Frau. "Er war ein guter Lehrling, motiviert und willig", sagt lachend die Meisterin. Seinen Berufsabschluss als Töpfer und den Meistertitel erwarb der 58-Jährige aber erst nach der Wende. Im Laufe der Jahre haben Kröners mehrere Lehrlinge ausgebildet, die beim Berufswettbewerb auf Landes- und Bundesebene stets erste Plätze belegt haben. Eine erste Erweiterung ihrer Werkstatt nahmen Kröners 1986 als selbstständige Handwerker mit einem Kredit vom Staat von 22 000 Mark vor. Nach der Wende folgten weitere Umbauten der Werkstatt sowie die Einrichtung eines Töpferladens mit separatem Eingang.

Das Töpferhandwerk sei nun nicht leichter geworden, aber anders schön. Kröners wundern sich noch heute, wie sie zu DDR-Zeiten alles geschafft haben. Viele Beziehungen mussten sie spielen lassen, um an Brennofen und Töpferscheibe zu kommen. Vieles wurde selbst gebastelt. "Durchgehend arbeiten konnten wir nicht, wir waren immer unterwegs, irgendetwas zu besorgen. Jeden ersten Mittwoch im Monat öffneten wir unser Geschäft für zwei Stunden. Danach war alles ausverkauft", erzählt Frau Kröner. Sie weiss noch, wie sie 1990 mit einem Sammelsurium auf den ersten Töpfermarkt fuhren und feststellten, dass sich die meisten Töpfer auf eine Technik festgelegt hatten. Auch Kröners beschlossen, dies zu tun und entschieden sich für Fayence und Salzglasur in hoher Qualität mit einem Wiedererkennungswert. "Heute spielt der Verkauf die größere Rolle. Gute Keramik ist verkaufte Keramik", hält es das Ehepaar mit einem Spruch.

Kundschaft sogar in den USA

Die Zeit der Wochenmärkte ist für sie vorbei. Etwa siebenmal im Jahr präsentieren sie sich noch auf Töpfermärkten, um neue Kunden und Wünsche kennenzulernen, mit Kollegen in Kontakt zu bleiben. Für die Vermarktung ihrer Keramik betreiben Kröners seit zehn Jahren ihren Internetladen. Europaweit liefern sie ihre Arbeiten, so nach Frankreich, Belgien, Norwegen, Dänemark, England und sogar in die USA. Seit einem Jahr nehmen die Töpfermeister Englisch-Privatunterricht, um im Internet noch wirksamer werden zu können. Zum Quartett in der Krönerschen Töpferei gehören seit zehn Jahren die Kunstmalerin Barbara Kutterer und seit vier Jahren die Gesellin Yvonne Zielinski. "Wir sind ein eingespieltes Team, es ist ein schönes Arbeiten", urteilt Frau Kröner. Längst hat sich die Berlinerin an das Landleben gewöhnt. Für die kulturelle Seite fahren sie halt zu Konzerten und Theateraufführungen nach Weimar oder Leipzig.

Töpfern ist für Madleen und Konrad Kröner eine Berufung. Es sei wunderbar, mit den eigenen Händen etwas herzustellen. "Nicht Talent und künstlerische Begabung sind zwingend für den Beruf", sagt die Meisterin. "Vielmehr zählen Willenskraft und Leidenschaft, um ein guter Töpfer zu sein." Die drei Kinder der Kröners unterstützen die Eltern. Keines hat aber den Beruf gewählt, um mal in deren Fußstapfen zu treten. "Sie sollen tun, was ihnen Spaß bereitet", ist Madleen Kröner ihnen aber nicht böse. Die 29-jährige Henriette arbeitet als Finanzmathematikerin, der 27-jährige Paul als Informatiker, und Jacob (23) studiert Theologie.