Knirpse lernen Giraffisch

25.05.2012 18:11 Uhr | Aktualisiert 25.05.2012 18:52 Uhr
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Christoph (l.) und Valentin probieren...

Christoph (l.) und Valentin probieren Giraffenohren und Erzählstab aus. (FOTO: MZ)

Von jana kainz
Geklatscht, geseufzt und gestampft wurde gestern im "Kinderhaus Arche Noah". Dabei wurde fröhlich gesungen: "Wenn du bei mir bist, dann zeig mir wie's dir geht."
naumburg. 

Gerhard Schönes Kinderlied brachte auf den Punkt, worum es in den vergangen Tagen für 14 Mädchen und Jungen der Naumburger Kindertagesstätte ging: um Gewaltfreie Kommunikation (GfK, siehe Hintergrund), die Empathie und Gefühle in den Mittelpunkt rückt und damit von der Frage ausgeht: "Was brauchst du" beziehungsweise "Was brauche ich, um einen Konflikt zu lösen". Ruhe, Zurückgezogenheit, Hilfe oder Aufmerksamkeit?

Mit der GfK machte Erzieherin Karin Merker die Drei- bis Sechsjährigen vertraut und das wunderbar spielerisch mit einer Geschichte samt Plüschtier und Handpuppe. So tauchte Anfang der Woche ein Giraffenbaby in der Kita auf - traurig, weil es sich verirrt hat und nun mutterseelenallein war. Mit dem Plüschtier begann für die Knirpse eine Erkenntnisreise durch die Gefühlswelt. Sie trösteten das Giraffenbaby, gaben ihm ein Bett, täglich Zuwendung und schrieben an die Giraffenmama, wo sie ihr Baby findet. Bis die Mama gestern eintraf, lernten die Arche-Noah-Kinder auch, die verschiedenen Gefühle zu benennen. Für jedes suchten sie ein Symbol und legten es in eine Schatzkiste. "An einem Tag erzählten die Kinder eine Stunde lang von ihren Gefühlen, das war wunderbar", so Karin Merker. Dabei sei die Gemeinschaft enger geworden. Und die Mädchen und Jungen übten sich darin, mit dem Herzen zu sprechen und zuzuhören.

Als die Giraffenmama gestern ihr Baby abholte, hatte sie ein Dankeschön dabei: einen Giraffenteppich, ein Paar Giraffenohren und einen Erzählstab, der einem Giraffenschwanz gleicht. "Damit können wir weiter die GfK üben", erklärte die Erzieherin. Die Utensilien hatte ihr eine Mutter für vorangegangene GfK-Projekte in der Kita angefertigt. "Livia von Ascheraden hatte von ihrem Sohn gehört, dass wir uns mit Gefühlen und der Giraffensprache beschäftigen, da wurde sie neugierig", so Karin Merker. Sie konnte der jungen Mutter nicht nur allerhand erzählen, sondern ihr auch reichlich Material geben, da sie selbst seit Jahren Literatur zur GfK studierte und einen Mediations-Kurs absolvierte.

Die Begeisterung, die die GfK bei Livia von Ascheraden auslöste, übertrug sie wiederum auf andere. Inzwischen sind es sieben Frauen, die sich seit zwei Jahren wöchentlich treffen, um sich Marshall Rosenbergs GfK-Methode gemeinsam anzueignen. Es gehe darum, gewaltfrei nein zu sagen, Konflikte zu lösen oder Machtkämpfe gar zu vermeiden. Wie jene am Morgen, wenn es pünktlich in den Kindergarten gehen soll. "Wenn sich das Kind früh nicht anziehen will, die Zeit aber drängt, sollte man fragen, warum es sich nicht anzieht", nannte Livia von Ascheraden ein Beispiel. Vielleicht möchte es angezogen werden, dann sollte dem Wunsch nachgegeben werden, weil der Mutter wiederum wichtig ist, pünktlich zu sein. "Wichtig ist, zu vermitteln, wie man sich fühlt, warum einem so wichtig ist, worum man den anderen gerade bittet", so Gisela Winkler, die der siebenköpfigen GfK-Gruppe angehört. Und schnell schiebt sie hinterher: "Rosenberg meint keine, wie er sagt ,weichgespülte wir-haben-uns-alle-lieb-Sprache‘", erklärte Gisela Winkler. Inzwischen haben sie andere Naumburgerinnen neugierig gemacht, die ebenfalls zu einer GfK-Gruppe zusammenfinden möchten. Da gibt Livia von Ascheraden gern Starthilfe.

Unterstützung anderer Art geben derzeit ihre GfK-Mitstreiterin Maria Westerveld und ihr Mann Harald Riese. Sie helfen Anja Palitza, eine Wanderung entlang der einstigen innerdeutschen Grenze vorzubereiten. Zu dieser möchte die Jenaerin mit interessierten Frauen und Männern am 9. Juni aufbrechen, um die GfK in die Welt hinauszutragen. Dafür wählte sie die ehemalige Grenze, weil es diese noch immer in den Köpfen gebe und die GfK den Menschen helfe, innere Grenzen aufzulösen, tiefere Verbindungen untereinander zu schaffen. Während der Wanderung sammelt sie Spenden. Mit dem Geld soll den Mitarbeitern des Kinderheimes Ranis eine GfK-Schulung ermöglicht werden, um nach dieser Methode im Heim zu leben.

Informationen und Anmeldungen zum "(Mit-)Einander wandeln - Gemeinsam für Verständigung und Frieden wandern" unter 03445 / 23 19 73 oder www.mit-einander-wandeln.de