Susanne Ansorg (FOTO: ARCHIV/WI)
Das Festival rückt in diesem Jahr den Norden in das Zentrum. Wie ist das Thema entstanden? Gab es einen speziellen Anlass?
Susanne Ansorg: Das Festival "montalbâne" ist seit vielen Jahren mit zwei skandinavischen Musikern eng verbunden: der Schwedin Miriam Andersén und dem Dänen Poul Høxbro. Beide sind anerkannte Spezialisten in der Erforschung der traditionellen Musik Skandinaviens. Vielleicht erinnern sich einige an ihr Wikingerkonzert vor einigen Jahren, in dem sie selten zu hörende Volksinstrumente wie Kuhhörner und Knochenflöten präsentierten und den Versuch unternahmen, die fast verlorene Musik der Wikinger zu rekonstruieren. Über die Jahre des Forschens und Probierens ist bei Miriam und Poul ein Schatz an Erfahrungen zusammengekommen, der es wert ist, dem Publikum präsentiert zu werden.
Was war der Grund, die Konzertreihe einem Landstrich zu widmen?
Ansorg: "Hyperborea - Die Musik der Nordländer" ist nur der Auftakt zu einer Serie von länderzentrierten Schwerpunkten. 2014 geht es mit "Iberia" und "Alandalus" in den Süden. Das Festival "montalbâne" war von Anfang an von der Idee geprägt, eine Vielfalt zu präsentieren. Die immer noch positive Resonanz hat gezeigt, dass dieses Konzept aufgegangen ist. Nach mehr als 20 Jahren wollen wir nun Neues wagen, nur eben nicht mehr der Vielfalt, sondern der Geschlossenheit gewidmet - in der Hoffnung, hier ebenso eine große Vielfalt zu entdecken.
Die skandinavischen Länder wurden in der Vergangenheit mit Blick auf ihre Kultur etwas unterschätzt und in anderen Ländern wenig wahrgenommen. Welchen Eindruck haben Sie von der musikalischen Tradition des Nordens?
Ansorg: Ich würde nicht sagen, dass die Kultur unterschätzt, sondern vielmehr reduziert wahrgenommen wurde. Die europäische Musikszene, auch die alte Musik, ist geprägt von skandinavischen Musikern. Um ein paar Namen zu nennen: Jan Garbarek, Rolf Lislevand und Esbjörn Svensson. Ich bin seit Jahren von der Musik des europäischen Nordens fasziniert. Es ist eine reiche und farbige Kultur voller Stärke und Würde.
Nach 21 Jahren "montalbâne" - ist es da schwer, immer wieder ein neues Thema zu finden?
Ansorg: Die Themen kommen mit den Musikern. Man muss nur offen für Inspirationen sein.
Gibt es innerhalb des diesjährigen Festivals einen besonderen Höhepunkt?
Ansorg: Alle Konzerte sind besonders und bis auf zwei Ausnahmen eigens für "montalbâne" produziert. Im Eröffnungskonzert wird ein Jongleur auftreten, der mit einer um seinen Körper rotierenden Glaskugel Magie verbreitet.
Was ist für Sie das schönste Erlebnis während des Festivals?
Ansorg: Das Zusammentreffen der Musiker in den Konzerten und bei den Festen. Hier sind schon neue Ensembles oder Lebenspartnerschaften entstanden. Und der allerschönste Moment für mich persönlich ist der letzte Ton des letzten Konzertes - nicht, weil das Festival dann vorbei ist, sondern weil ich dann erst sicher weiß, dass es dem Publikum gefallen hat. Das ist eine große Verantwortung und zugleich eine große Herausforderung.
Welche Rolle hat das Festival für die Region bekommen?
Ansorg: Ich denke, es ist einer der kulturellen Höhepunkte in der Region. Natürlich nicht vergleichbar mit dem Naumburger Kirschfest. Aber in der Konzertlandschaft ist "montalbâne" mittlerweile auch beim Naumburger Publikum angekommen. Deutschlandweit gibt es ohnehin eine wachsende Fangemeinde. Mehr Resonanz erhoffen wir uns allerdings für die nächsten Jahre aus den mitteldeutschen Landeszentren.
Weitere Informationen gibt es telefonisch unter der Rufnummer: 03443 / 3 48 04 80 Das Festival in Freyburg ist auch im Internet: www.montalbane.de