Glanz, welchen in der Vergangenheit aber nur das aus Finanzgründen eingestellte Park- und Lichterfest auszustrahlen wusste. Mit dem Bootskorso und dem sowohl von einem Ponton, vom Saaleufer und von der "Schönen Aussicht" gezündeten Feuerwerk jedenfalls hat das Brunnenfest Sehenswertes implantiert bekommen.
Teelichter und Bootsmasten
Gelungen ist das nicht nur, weil das Fest erstmals von der Stadt Naumburg organisiert wurde, sondern, weil es engagierte Helfer hatte. Beispielsweise Dachdeckermeister Holger Fritzsche, der vorab wieder und und immer wieder zur Saale gefahren war, um zu testen, welche Teelichter wie gut auf dem Wasser brennen. Leider trat der berühmt-berüchtigte Vorführeffekt ein: Von 1000 ausgesetzten, schafften schatzungsweise 40 den Weg vom Tierpark bis zum Wehr. "Schade, aber beim nächsten Mal klappt's bestimmt besser", gibt sich Fritzsche optimistisch. Horst Weidemeier wiederum ist es zu verdanken, dass immerhin sechs Boote prächtig illuminiert über die Saale schippern konnten. Der bastelbegeisterte Senior hatte den Kähnen Masten und Fähnchen verpasst, Lichter außerdem. Eine schöne Idee: eine Loreley alias Annett Scheffler, die sich im Lichterglanz die Haare legte.
Immer am Wehr entlang
Gefährlich sah's aus, war es aber nicht: Männer der Wasserwacht hatten zum Bootskorso 1,20 Meter hohe Schwedenfackeln als leuchtende Barriere quer durch Saale am Wehr aufgestellt. Bis zur Hüfte harrten sie im kalten, aber vergleichsweise langsam fließenden Wasser aus, standsicher auf betoniertem Grund. Dem Bootskorso-Spektakel sahen viele zu, prädestinierte Plätze waren die beiden Gaststätten auf der Loreleypromenade und die Radinsel. Neuigkeiten auch tagsüber: Zwischen Radinsel und Festplatz Uferstraße hatten Vereine, Gastronomie und ein Weingut mit kleinen Häuschen und Ständen ihre Zelte aufgeschlagen und auf dem Festplatz selbst gab's allerlei bunte Unterhaltung für Kinder, Verköstigung sowie an acht Stationen den Wissens- und Gaudi-Wettstreit um den Brunnenfestpokal. Leider hatten nur vier Teams teilgenommen. Den Pokal, den es im nächsten Jahr zu verteidigen gilt, holten sich die Judokas.
Freitag, 22.52 Uhr, hat sich die Feuerwehr ins "Tagebuch" eingetragen. Da nämlich gab's einen blinden Alarm. Überbleibsel brennender Bootskorso-Fackeln an der Mühle hatten jemanden irritiert und zum Hörer greifen lassen.
Derlei Zwischenfälle kannte dann die Sonnabendnacht mit ihrem Feuerwerk nicht. Oliver Schob vom gleichnamigen Bad Kösener Pyro-Unternehmen hatte es zeitlich exakt und per Funk gezündet, beginnend am Saaleufer, Fontänen inklusive. Zu sehen beispielsweise goldene Fächer mit einem blauen Zentrum. "Damit symbolisiert werden sollen die Farben Bad Kösens, wobei Gold für Weiß steht", so Schob. Nach 14 Minuten war das Spektakel vorbei. Wem dann noch nach Musik war, den zog es ins Festzelt in der Uferstraße. Dort spielte die Naumburger Rockband "Blue Life".
Schöpfakt und Stadthistorie
Das Brunnenfest wäre nicht das Brunnenfest, wenn es nicht den Schöpfakt auf der Radinsel gäbe. Zu diesem fröhlichen Spektakel, mit dem an die Erschließung der ersten Solequelle 1730 erinnert wird, zog es am Sonnabend wieder Jung und Alt auf die Radinsel. Dort trafen sie nicht nur auf historisch gekleidete Badegäste oder den Traditionsverein Saline Oberilm, der das Salzsieden in der Pfanne vorführte, sondern auch auf den kursächsischen Bergrat Johann Gottfried Borlach (1687-1768). Und während sechs Bad Kösener Grundschüler auf der Bühne Wissenswertes wie zum Borlachschacht und dem Kunstgestänge erzählten, ließen Badenixen ihre Füße im Badezuber baumeln.
Fröhlich ging es da schon wenige Meter weiter beim Kinderfest zu. An der Saale erklommen die Jüngsten eine Kletterwand oder sammelten eifrig Punkte auf einer Spielstrecke, die der Elternverein und das Kinderhaus "Pusteblume" aufgebaut hatten. Mit dem Erlös seines Kuchenbasars möchte das Kinderhaus in seinem Domizil eine Spielecke auf eine zweite Ebene ausdehnen. Viel zu sehen gab es beim gestrigen Umzug. In 24 Bildern, dargestellt von 588 Mitwirkenden, 18 Festwagen, zwei Kutschen und einem Fahrzeug, zog die Stadtgeschichte an den im Regen ausharrenden Schaulustigen vorbei.