Der Knopfdruck von Ministerpräsident, Landrat und Rotkäppchenchefs hat funktioniert, die Anlage läuft. Da freut sich auch Antje Tomczak. (FOTO: H.-D. SPECK)
Für den symbolischen Knopfdruck mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) war die neue Abfülllinie der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg, die seit ein paar Tagen Probe läuft, angehalten worden. Das Anfahren danach musste behutsam geschehen - damit der Sekt, dessen Temperatur rasch ansteigt, beim Einfüllen nicht aus den Flaschen schäumt, was den Gästen dann womöglich einen ganz besonders prickelnden Erlebnis bei Rotkäppchen beschert hätte.
Mit großem Bahnhof ist die neue Anlage gestern eingeweiht worden. Die neue Abfüllstrecke (siehe auch Wirtschaft, Seite 21) ist die dritte, die Anlagenfahrerin Brunhild Dönicke aus Baumersroda bei Rotkäppchen steuert. Angefangen hier hatte sie 1974, war von der großen Kündigungswelle kurz nach der Wende betroffen und 1993 zu Rotkäppchen zurückgekehrt. Die neue Technik sei eine Umstellung, doch hätten die Techniker des Herstellers sie ordentlich eingewiesen, bekundet sie.
Derweil präsentieren sich Haseloff und Rotkäppchen-Geschäftsführer Gunter Heise den Fotografen vorm Laufband mit den rotköpfigen Flaschen. In seinem Grußwort hatte Haseloff zuvor für Irritationen gesorgt: 79 Arbeitsplätze würden mit den Investitionen des Unternehmens geschaffen, hatte ihm jemand zugearbeitet. Wie das gehen soll, wenn ganze sechs Leute pro Schicht die neuen Anlagen am Laufen halten? Ein Versprecher sei es gewesen, stellte PR-Mitarbeiter Ulrich Ehmann gegenüber den Journalisten richtig.
Geschäftsführer Heise würzte sein Grußwort mit Anekdoten, erzählte, wie er 1992 fürs Unternehmen den Liefervertrag für die Vorgängeranlage unterzeichnet hatte, die noch zu DDR-Zeiten bestellt worden war. Die Bezahlung, so hieß es, würde der Graf übernehmen, der sich kurz zuvor den Mitarbeitern als finanzkräftiger Kaufinteressent präsentiert hatte. Zum Vertragstermin habe sich der Graf allerdings entschuldigen lassen, einer Tauchverletzung wegen, zugezogen an einem Riff vor Florida.
"Etwas später lasen wir dann von seiner Verhaftung. Da standen wir dann mit dem Vertrag für eine neue Anlage, für die wir eigentlich kein Geld hatten", so Heise. Heute, so fügte er mit Blick auf die zahlreichen anwesenden Auftragnehmer hinzu, müsse sich da freilich keiner Sorgen machen.