Mit etlichen Minuten Verspätung begann am Sonnabend das Mittagskonzert in der Naumburger Kirche St. Wenzel. Der Grund war ein durchaus erfreulicher: Unzählige Menschen, hauptsächlich Touristen, strömten in das Gotteshaus, und an der Konzertkasse hatte man alle Hände voll zu tun, um die Eintrittskarten zu verkaufen. Weit über 200 Gäste lauschten im Anschluss der Harfenistin Hélène Nassif und dem Wenzelsorganisten David Franke. "Carl Philipp Emanuel Bach und seine Bewerbung an St. Wenzel in Naumburg" war das Thema dieser Veranstaltung im Rahmen der Tage Mitteldeutscher Barockmusik.
Bevor das eigentliche Konzert begann, berichtete Franke, dass laut seiner Recherchen im Stadtarchiv Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) sich im Jahr 1733 als Organist an St. Wenzel beworben hatte. Allerdings habe er angenommen, es handele sich um die Organistenstelle am Dom, so Franke. Der Sohn von Johann Sebastian Bach wurde nicht eingestellt. Er war mit seinen damals 19 Jahren den Entscheidungsträgern womöglich zu jung gewesen, mutmaßte der Wenzelsorganist. Ein weiterer erfolgloser Bewerber sei Johann Ludwig Krebs gewesen. Entschieden habe man sich schließlich für Johann Christian Kluge aus Wiehe. Nach Frankes Überzeugung wird Carl Philipp Emanuel Bach heute "fast zu Unrecht" hinter seinem Vater aufgeführt. Dass der Sohn ein ebenso exzellenter Komponist war, wurde im Anschluss deutlich.
David Franke spielte zur Einstimmung an der Hildebrandt-Orgel die "Sonata B-Dur Wq 70 / 2", die stellenweise eher an ein Werk der Romantik denken lässt. Auf eine wundersame Reise in traumhafte Sphären der Musik nahm Hélène Nassif die Zuhörer mit, als sie drei Sätze des "Solos für Harfe WQ 139" aus der Feder von C. Ph. E. Bach spielte.
Der grandiose Abschluss dieses weit mehr als eine halbe Stunde dauernden Konzertes war "Fantasie und Fuge c-Moll Wq 119 / 7 für Orgel Solo". In dieser Komposition wird erkennbar, dass C. Ph. E. Bach durchaus von der Musik des großen Vaters beeinflusst worden ist. Die Zuhörer dankten den Vortragenden mit einem langen, begeisterten Applaus.