Pferde traben über Marktplatzpflaster

29.04.2012 17:49 Uhr | Aktualisiert 29.04.2012 17:56 Uhr
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Die aktuelle Ausstellung

Die aktuelle Ausstellung "Ansichtssache" mit rund 150 historischen Stadtansichten bildet die erste Exposition im Schlösschen nach der Landesausstellung 2011. (FOTO: NICKY HELLFRITZSCH)

Von constanze matthes
Die Zeit ist die gestrige. Statt PS-starker Autos überqueren Pferdekutschen den Naumburger Marktplatz. Straßenschilder sucht der Betrachter vergebens. Auch das Schützenhaus zeigt seine Pracht, während Männer und Frauen im Sonntagsstaat über die Vogelwiese flanieren.
naumburg. 

Historische Stadtansichten halten die Vergangenheit fest und machen Veränderungen spürbar. Mehr als 150 Zeichnungen und Grafiken gewähren derzeit Einblicke in Jahre, als an Fotoapparate noch nicht zu denken war. In Vitrinen liegen zudem historische Kirchengesangsbücher. Ein Besuch der neuen Ausstellung in der Galerie im Schlösschen mit dem Titel "Ansichtssache" ist eine Zeitreise inmitten der Mauern der Domstadt und darüber hinaus. Die Schönburg, Burg Saaleck und die Rudelsburg, Bad Kösen und Schulpforte sind in der Exposition ebenfalls zu finden, die gleich zwei Premieren begeht. Sie ist die erste Schau im Schlösschen nach der Landesausstellung und versammelt zugleich erstmals den kompletten Bestand des Stadtmuseums und -archivs an historischen Stadtansichten; darunter restaurierte Werke und Neuerwerbungen der letzten Jahre, wie Museumsleiter Siegfried Wagner während der Eröffnung am Freitag bemerkte. Die ältesten Arbeiten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Zwei Ansichten von Schulpforte gab Curt Becker, Naumburgs einstiger Oberbürgermeister, aus seiner Privatsammlung als Leihgabe heraus.

In einem weiteren Raum sind die schönsten Aufnahmen des Fotowettbewerbs "Mein Naumburg" zu sehen (siehe "Internet"). Die Werke von Hobbyfotografen halten besondere Begegnungen und Blickwinkel fest, zeigen auch die stillen Ecken der Stadt. Leise fällt der Schnee in der Engelgasse, über dem Dom zeigt sich ein kugelrunder gelber Mond, die Herrenstraße ist am Abend in das warme Licht der Laternen getaucht - so einige Impressionen. "Die Fotoschau bildet sowohl einen Kontrast als auch eine Ergänzung zu den historischen Ansichten", betonte Tageblatt / MZ-Redaktionsleiter Albrecht Günther.

Beide Expositionen können bis Juli besucht werden. Im September soll in den modernen Räumen eine Lepsius-Ausstellung, im Januar kommenden Jahres schließlich eine Walter-Weiße-Schau präsentiert werden. Doch nicht nur Galerien und Museen der Stadt können betreten werden. Das Stadtmuseum öffnet bald einen virtuellen Kunst-Raum: Die Werke des Museumsbestandes werden in das Internet eingepflegt, wie Siegfried Wagner erzählte. Das digitale Zeitalter lässt auch hier nun grüßen.