Auf die Plätze fertig los! Rennen bei Wartenberg-Sauer in Roßbach mit Zuchtschnecken und einer verbotenerweise aus dem Weinberg. Wieland Führ (l.) und Lutz Schlag moderieren, die Kinder haben ihren Spaß. (FOTO: MZ)
So geschehen im Roßbacher Weinausschank der Familie Wartenberg-Sauer, die am Wochenende zum zweiten Weinbergschnecken-Rennen geladen hatte, dieses aber wegen Auflagen des Kreis-Amtes für Natur- und Gewässerschutz vereinfacht in Schnecken-Rennen umbenannt hatte. Die Behörde ist der Meinung, dass Weinbergschnecken des Artenschutzes wegen auch nicht für kurze Zeit der Natur entnommen werden dürfen (Tageblatt / MZ berichtete). Wenn auch die Protestschnecke von Karl-Heinz Zeise aus Obermöllern beim Rennen nicht punkten konnte, so waren ihr doch stehende Ovationen gewiss.
Das Rennen machten andere, so Zombi und Mara - aber das waren eben keine Weinbergschnecken, sondern solche, die sich Maria Wartenberg hat mit der Post schicken lassen. 100 Stück, doch längst nicht alle wurden gesetzt. Trotz des unterkühlten Wetters und des ein oder anderen Regenschauers war der Weinausschank mit großen und kleinen Schneckenfreunden gut besucht, am Nachmittag standen alle um eine kleine Tischplatte, dem Epizentrum des Schneckenkampfes. In der Mitte platziert, stürmten die Sportler zum Tischrand - oder auch nicht. Manche machten sogar kurz vorm Ziel kehrt, andere bestiegen sich lieber gegenseitig. Damit alles medizinisch korrekt abläuft, hatte Maria Wartenberg Tierärztin Karin Reglich aus Schleberoda kommen lassen. Reglich: "Alle Tiere sind in bester Verfassung, bis auf die Nummer acht." Die musste wegen Schwäche vorerst auf die Reservebank, konnte aber mit Löwenzahn aufgepäppelt werden. Vermutlich hatte das Tier noch unter den Strapazen des Postversandes gelitten.
Trotz oder gerade wegen des Behörden-Zinnobers wurde das Schneckenrennen zum großen Erfolg. Über 400 Euro hatten sich die Wettkampfteilnehmer ihren Einsatz kosten lassen. Geld, das jetzt dem Kindergarten in Roßbach zugute kommen soll. Dort ist das Plaste-Spielhaus kaputt. Jetzt kann ein neues aus Holz gekauft werden. Zu guter Letzt: Die Zucht-schnecken aus Blankenburg hat Maria Wartenberg doch nicht in den Suppentopf geworfen. Ihr täten die Tiere leid, sagte sie. Wartenberg: "Ich denke, ich füttere sie ordentlich durch und lasse sie im nächsten Jahr wieder antreten." Es sei denn, es dürfen doch wieder Weinbergschnecken an den Start. Denn Maria Wartenberg hat nochmals an die Behörde geschrieben. Diese möge doch ihre Ansicht überdenken, da - wie sich unschwer nachlesen lasse - eine kurzfristige Entnahme aus der Natur nicht dem Artenschutz widerspreche.