Weinbergschnecken können auch Spaß haben, so wie am Rande des Vorjahres-Wettkampfes. (FOTO: MZ)
Ja, Maria Wartenberg aus den Weinbergen in Roßbach, hat schlaflose Nächte durchlebt, nachdem die Untere Naturschutzbehörde diskret zwar, aber bestimmt wissen lies, dass das für Sonnabend in ihrer Schankwirtschaft anberaumte zweite Weinbergschneckenrennen nicht stattfinden kann. Zumindest nicht so. Denn, merke: Die gemeine Weinbergschnecke steht unter Artenschutz und darf nicht einfach mal so nach Lust und Laune ihres grünen Paradieses beraubt werden. Auch nicht für zehn Minuten auf einer Tischplatte. Keine Chance für "The President", der gekrönten Roßbacher Superschnecke des Vorjahres, den Titel zu verteidigen und "Rambo 5", "Pittiplatsch" und "Flotter Otto" erneut auf die Plätze zu verweisen.
All die schleimigen Kämpfer dürfen nicht wieder, denn die Behörde meint es tatsächlich ernst. Für diese sagt Rolf Hausch: "Laut Bundesnaturschutzgesetz ist die Weinbergschnecke besonders geschützt. Damit gibt es ein Entnahmeverbot aus der Natur. Sollte das umgangen werden, wenn auch nur vorrübergehend, müssten wir das als Ordnungswidrigkeit verfolgen." Deshalb habe man Frau Wartenberg schon mal einen dezenten Hinweis gegeben.
Das ist ein feiner Zug und beim Adressaten auch so verstanden worden. Denn ins Rennen gehen jetzt nicht irgendwelche Hallodris aus Nachbars Garten - nein, sondern echte Thüringer Kampf-schnecken. Gezüchtet auf einer Farm bei Blankenburg. 100 Stück für 65 Euro hat Maria Wartenberg geordert, gestern Nachmittag wurde die Schneckenpost geliefert. Denn, das muss der Laie wissen, kämpfende Zuchtschnecken, das geht. Kein Problem, wenn sie im Paket schon irgendwo in der Sonne gestanden haben. Solche Weichteiler sind verdammt nochmal nur Schnecken zweiter Klasse. "Zuchttiere, die dem Zweck der Vermarktung dienen", wie Rolf Hausch klar macht. Anders ausgedrückt: Diese Schnecken sind fast sowas wie Gladiatoren. Sie kämpfen, um zu sterben, und ihre Endstation ist der Kochtopf. Maria Wartenberg: "Wir dürfen sie nicht aussetzen, da sie hier nicht heimisch sind. Und zurückschicken geht auch nicht, da sie ja bei uns Keime aufnehmen und dann die Thüringer Schnecken verseuchen könnten."
Deshalb gibt es am Tag danach Schneckensuppe. Und Frau Wartenberg hofft, dass genug Tierschützer zu ihr kommen, um diese auszulöffeln. Apropos: Joachim Zaumseil ist Tierfreund, speziell von Vögeln. Und sowas wie der Naumburger Ortschef des Naturschutzbundes. Nach einem zehnminütigen Telefonat mit Tageblatt / MZ meinte er: "Wir sprechen jetzt schon viel zu lange wegen solch einer Nichtigkeit. Wo soll der Schaden entstehen, wenn die Weinbergschnecken wieder an ihren Platz gebracht werden? Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen." Auf Schnecken, bitte! Frau Wartenberg jedenfalls will sich nun keinen, aber wirklich keinen Vorwurf mehr machen lassen. Sie hat ihr Kampfschnecken-Rennen - kein Quatsch! - unter ärztliche Aufsicht stellen lassen. Morgen, 12 Uhr, geht's los.