Schulbezirke vor Auflösung

11.05.2012 08:53 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 08:54 Uhr
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Von Harald Boltze
Karsten Bucksch wird sich am Mittwoch wie im falschen Film gefühlt haben. Jahrelang musste er als Elternvertreter die Klagen von Müttern und Vätern anhören, die umsonst versucht hatten, ihr Kind in einer anderen Schule als der ihres Wohnbezirkes unterzubringen.
naumburg. 

Jahrelang warb er für die Aufhebung der Naumburger Grundschulbezirke. Ohne Erfolg. Bucksch: "In der Verwaltung, den Schulen und im Gemeinderat. Überall war man dagegen."

Dann aber äußerte Oberbürgermeister Bernward Küper im September 2011 gegenüber Tageblatt / MZ, dass er der Sache "grundsätzlich positiv gegenüberstehe". Scheinbar aus dem Nichts. Und danach ging alles (für eine Verwaltung) rasend schnell. Ein Konzept wurde erarbeitet. Und dieses kam nun am Mittwoch in den Sozial- und Kulturausschuss des Gemeinderates. "Heute soll erstmal nur diskutiert werden, ob wir die Aufhebung überhaupt wollen", sagte die noch amtierende Schulamtsleiterin Christine Schröder. Doch eine kontroverse Diskussion entsponn sich nicht. Gemeinderäte, Verwaltung und die eingeladenen Schulleiter äußerten sich ausnahmslos positiv. Praktisch eine Kehrtwende um 180 Grad.

Die Folgen für die Eltern

Ergebnis der Sitzung: Die Auflösung kommt. Die Details werden von einer kleinen Ratsgruppe (Karsten Bucksch, Michael Bartsch, Angelika Römer) mit den Schulleitern abgesprochen, sodass der Ausschuss dem Gemeinderat in seiner kommenden Sitzung ein fertiges Konzept empfehlen kann.

Läuft dann alles nach Plan, würden bereits die Eltern profitieren, deren Kinder im Sommer 2013 eingeschult werden. Sie könnten sich nicht mehr nur zwischen privat (Dom- sowie Montessorischule) und staatlich, sondern auch innerhalb der sechs staatlichen Schulen (Georgen-, Salztor-, Schweitzer- und Utaschule in der Kernstadt, Bergschule in Bad Kösen und Klingerschule in Kleinjena) entscheiden. Doch durch die Festlegung von Kapazitätsgrenzen (siehe "Auswahl") wird sicher nicht jeder in seine Wunschschule gehen können - zumindest in den kommenden Jahren bei der zunächst relativ konstant bleibenden Anzahl an Abc-Schützen.

Eine zusätzliche Wahlmöglichkeit erhalten die Eltern aus Janisroda, Meyhen und Prießnitz. Bisher mussten sie ihre Kinder nach Sieglitz schicken. Nun soll es zu einer Vereinbarung kommen, die auch ihnen Wahlfreiheit bringt.

Die angesprochenen Kapazitätsgrenzen haben für die Schulleiter eine gewisse Beruhigung. Sie müssen nicht fürchten, dass sie plötzlich ohne Schüler dastehen. Und dennoch gibt es zwei Schulleiterinnen, die sich seit geraumer Zeit Sorgen um ihre Einrichtung machen: Annette Scholz (Schweitzer-Grundschule) und Angela Bierhahn (Kleinjena). Zwar steht das Thema Schulschließungen momentan in der Stadt mit keiner offiziellen Silbe auf dem Trapez, doch sowohl Scholz als auch Bierhahn haben vernommen, dass die Zahl der Grundschüler in Naumburg bis 2025 laut Prognosen um ein Drittel sinkt. Scholz: "Ich erwarte in dieser Sache Ehrlichkeit. Und wenn sich ergibt, dass wir keine sechs Grundschulen mehr brauchen, kann man offen über alles reden. Nur diese Gerüchte sind meinen Kollegen gegenüber nicht fair." Was sie meint: Der Ruf der Schule in der Kösener Straße ist unter vielen Eltern durch die Nähe zur Sekundarschule (in einem Haus) nicht der beste. In der Statistik der beantragten Schulwechsel zeigt sich das deutlich. Zudem braucht die Sekundarschule mehr Platz. Der Kreis als Schulträger hat dies offiziell bekundet.

Eng könnte es zudem für die Max-Klinger-Schule in Kleinjena werden. Momentan lernen dort 82 Schüler. Perspektivisch setzt man im Kultusministerium aber auf größere Schulen. Die Frage ist, was die Öffnung der Schulbezirke bringt. Bisher wurden zum Beispiel die Schüler aus dem Naumburger Bahnhofsviertel gezwungen, nach Kleinjena zu fahren. Laufen Sie demnächst lieber ein paar Schritte zur Georgenschule?

Was passiert in Kleinjena?

Angela Bierhahn meint: "Ich hoffe eher, dass wir wachsen. Erstens, weil ich viele Anfragen von Eltern habe, die bisher einfach nur Angst vor einer verweigerten Sondergenehmigung hatten. Und zweitens, weil die Eltern aus Pödelist und Dobichau ihre Kinder gern zu uns und nicht nach Freyburg bringen würden. Und wenn hier die Bezirke öffnen, macht es uns Frau Grandi ja vielleicht nach." Eine optimistische Hoffnung. Die Verbandsgemeinde-Chefin aus dem Unstruttal hat eine solche Öffnung kürzlich noch einmal strikt verneint und ließ OB Küper jüngst in diesem Punkt wieder wegtreten.