Dreiecksbeziehung unter einem Dach: Friederich Heinecke, Anja Maiwald und Christian Weit als Franz, Marie und Simon (v.l.). (FOTO: TORSTEN BIEL)
Ersterer ist ihr cholerischer Freund, letzterer ihr anhänglicher Fast-Freund. Das Trio wohnt unter einem Dach. Eine brisante Konstellation, ein psychologisches Seelendrama per excellence beginnt.
Der englische Dramatiker John Osbourne hat es unter dem Titel "Blick zurück im Zorn" geschrieben. Die Arbeitsgemeinschaft Theater der Landesschule Pforta brachte es nun auf die Bühne. Regie führte Zwölftklässlerin Sarah Henker. In den Rollen waren Friederich Heinecke (Franz), Anja Maiwald (Marie), Maxi Casper (Helena) und Christian Weit (Simon) aus den Klassen elf und zwölf zu erleben; unterstützt von Oberstufenkoordinator Frank Kisser, der Maries Vater verkörperte.
Nach dem Abriss des Ludoriums, der einstigen Spielstätte, ist das Ensemble in der Studiobühne heimisch geworden. Für das Fünf-Personen-Stück bot sie die perfekte, weil intime Atmosphäre. Mit einer auf den ersten Blick karg erscheinenden Kulisse konnte sich das Publikum komplett auf das Spiel der Akteure konzentrieren. Sie agierten vor, neben, auf und unter den beiden Tischen, die mit Alltagsgegenständen übersät waren. Die kurzen Pausen zwischen den einzelnen Szenen wurden für einen schnellen Kostümwechsel genutzt. All das im Dunkeln, nachdem die Scheinwerfer erloschen waren. Zwischen gefühlsbetontem Gebaren fand sich Zeit für Momente des stillen nachdenklichen Verharrens, des Insichgekehrtseins. Das Ensemble erzeugte sowohl Gänsehaut als auch Schmunzeln, vor allem aber Achtung vom Publikum.
Für die Proben haben sich die Schüler Zeit genommen. Schon im Oktober begann die Vorbereitung mit den Leseproben. Denn das Gros der Darsteller und die Regisseurin selbst hatten zudem die Abiturprüfungen zu bewältigen. "Das war stressig, alles unter einen Hut zu bringen", sagte Sarah Henker. Obwohl ein Gutteil des Ensembles ausscheidet und die Landesschule verlässt, soll die Arbeitsgemeinschaft weiterbestehen und in jüngere Hände übergeben werden.
"Es ist allerdings schwer, neue Mitglieder aus den jüngeren Jahrgangsstufen zu gewinnen", erzählt die Zwölftklässlerin weiter. Zudem werde das Ludorium mit seinen vielen Inszenierungsmöglichkeiten und der Größe schon vermisst.
Dass die Arbeit in einer Arbeitsgemeinschaft wiederum Weichen für den Beruf stellen kann, beweist die junge Pfortenserin. Sie beginnt nach dem Abitur am Theater Junge Generation in Dresden im Bereich Regieassistenz. Mit dem Osbourne-Stück hatte sie sich im Übrigen auf die Bewerbung für ein Schauspielstudium vorbereitet.
Die Aufführung ist im Theater Naumburg am 5. Juli, 14 Uhr, zu sehen.