Tut nicht weh und bringt mancherlei Erkenntnisse: Naturschützer beringten im Tagebau Karsdorf drei junge Uhus. (FOTO: NABU)
Sie nisten beispielsweise im Tagebau des Karsdorfer Zementwerkes. Die Zufahrt zur Felswand, in der die Vögel brüten, geht durch unwegsames Gelände. Der Zugang zum Nest in der Steilwand des Zementwerk-Tagebaus ist nur von oben möglich.
Am Ende der Fahrt packen Ralf Müller, Danilo Böhme und Rudolf Wendling ihre Ausrüstung aus: Schutzhelme, Seilzeug, Beutel und Fotoapparate. Nun geht es zu Fuß weiter bis zum Einstieg in die Felswand. Nach kurzer Absprache ist einer der beiden schon am Seil beim Abstieg. Der zweite lässt am Materialseil die Beutel hinabgleiten. Rasch ist die Brutnische der Uhus erreicht. Drei Jungvögel sitzen dort. Sie werden in Beutel verstaut und nach oben gezogen.
Vögel werden auch gewogen
Die Jungen werden gewogen, beringt und fotografiert. Notiert werden die Entwicklung des Gefieders, eventueller Parasitenbefall und der allgemeine Gesundheitszustand. Dann werden die Uhus wieder in die Beutel gesteckt, abgeseilt und in ihre Nische gesetzt. Nach zehn Minuten ist wieder Ruhe in der Wand. Ein Altvogel hat das Geschehen in einiger Entfernung aus einer Baumkrone beobachtet. In den nächsten Tagen kontrollieren die Nabu-Mitglieder mit dem Fernglas das Nest. Sie stellen fest: Es ist alles in Ordnung. Das Weibchen sitzt bei seinen Jungen in der Nische.
"Irgendwann wird uns einer der beringten Uhus wieder begegnen", so Rudolf Wendling, der bis vor wenigen Jahren selbst am Seil in die Felswände gestiegen ist, heute aber aus sicherer Position diese Aktion beobachtet und Jüngeren den Vortritt lässt. Die Wiederbegegnung mit dem einen oder anderen beringten Uhu hat meist einen traurigen Anlass - den Tod des Tieres. "Inzwischen gab es schon sechs Wiederfunde. Die Uhus kamen durch verschiedene Unfälle zu Tode", so der Naturschützer. Sie verunglückten durch den Aufprall auf eine Schaufensterscheibe, im Straßenverkehr und auf einer Baustelle. "Auch 14 weitere, aber unberingte Uhus sind in unserem Gebiet durch Unfälle und Krankheiten umgekommen", berichtet Wendling und erklärt, was mit den Fundtieren geschieht: Die toten Uhus werden auf dem schnellsten Wege zur Untersuchung in das Zoologische Institut der Martin-Luther-Universität nach Halle gebracht. Durch das Brüten in abgelegenen Gebieten, hervorragende Tarnung und vor allem nächtliche Aktivität haben die Menschen der hiesigen Region von der Wiederansiedlung der größten Eulenart Europas kaum etwas mitbekommen. Auch für die Naturschützer selbst ist die Erfassung der Population über Nahrungsreste recht schwierig. Kolkrabe, Schwarzer Milan, Marder, vielleicht auch Wildschwein und nun auch der Waschbär holen sich fast alle Reste, die der Uhu übrig lässt.
Bestand hat sich stabilisiert
Im Gebiet des Naturparks Saale-Unstrut-Triasland sind inzwischen mehrere Uhu-Brutstellen in regelmäßiger Beobachtung. Dazu gehört die Beringung der Jungvögel. Durch die verborgenen Brutstellen war es möglich, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten der Uhu-Bestand stabilisiert hat.
Der Uhu beginnt Ende Februar / Anfang März mit der Brut. Zwei bis sechs Eier kann ein Gelege enthalten, der Durchschnitt liegt bei drei Eiern und schwankt auch je nach Nahrungsangebot. Etwa 35 Tage brütet das Weibchen und wird dabei vom Männchen mit Futter versorgt. Bis zu sechs Wochen dauert die Aufzucht der Jungen. Ende Mai können diese bereits ihr Nest verlassen. Die jungen, noch nicht flugfähigen Uhus erkunden kletternd, laufend und bisweilen flatternd ihre nähere Umgebung. "Besonders in der letzten Phase ihrer Nestlingszeit könne die Jungen verunglücken, wenn sie beim Erkunden stürzen", beschreibt Wendling die Gefahren und schildert ein tragisches Beispiel: Ein junger Uhu war in einen Dornenbusch gestürzt und hatte sich im Geäst verfangen, so dass er verendete. Meistens sind es recht junge, noch unerfahrene Uhus, die verunglücken.