Symbol der Eintracht gerettet

15.05.2012 18:55 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 18:58 Uhr
Drucken per Mail
Tradition wird von den  Burschen nicht nur...

Tradition wird von den Burschen nicht nur bei der Bewahrung ihres Wahrzeichens, sondern auch bei der Kleidung groß geschrieben. So tragen sie neben einheitlichen Jacketts grüne Mützen und grün-weiße Schärpen. (FOTO: TORSTEN BIEL)

Von roland lüders
Die Fahne des Flemminger Burschenvereins: Sie ist ein Symbol für gute Gemeinschaft im Ort. Das sagte Ingrid Sobottka-Wermke, Superintendentin des Kirchenkreises Naumburg-Zeitz, während einer Andacht in der Kirche St. Lucia zu Flemmingen, in der sie die restaurierte Fahne unter Gottes Schutz und Segen stellte.
Flemmingen. 

Und auch das in roter Schrift auf sandfarbenem Grund auf das 1927 geschaffene Banner gestickte Vereinsmotto ist von diesem Gedanken geprägt: "Eintracht und Liebe halten uns zusammen".

Was die gute Gemeinschaft betrifft, so ist der Verein seit nun schon 90 Jahren ein Garant dafür, würdigte die Pfarrerin das Wirken der Burschen. So bei der nun wieder anstehenden Vorbereitung und Gestaltung des Pfingstfests. Obwohl schon 1922 gegründet, sei er jung geblieben. Wechselhaft wie das Schicksal der Fahne war auch die Entwicklung des Vereins. Bis in die späten 30er Jahre aktiv, war mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs das Vereinsleben zum Erliegen gekommen. Erst 1947 konnten die Burschen ihre Tradition wieder aufleben lassen, wenn auch nur für kurze Zeit. Sahen doch die SED-Oberen Burschenvereine als nicht systemkonform an und verboten sie. Um trotzdem das Dorfleben kulturell zu bereichern, wurde der Tanz- und Jugendclub Flemmingen gegründet. Aus dem ging 1990 wieder der Flemminger Burschenverein 1922 hervor. Die Mitgliederzahl wuchs rasch an, so dass heute der Verein 50 Mitstreiter zählt, darunter 25 Aktive.

Im Dritten Reich und später wieder in der DDR musste die Fahne versteckt werden. Jahrelang lagerte sie in einem Zwischenboden, was dem Stoff schlecht bekam. Um das kostbare Stück mit seinen Stickereien zu retten - geschätzter Zeitwert 15 000 Euro - musste die Fahne aufwendig in Handarbeit restauriert werden. Das erledigte eine Fahnenmanufaktur in Coburg. Billig, so Vereinsvorsitzender Sebastian Gaudig gegenüber Tageblatt / MZ, war die Erneuerung nicht. Doch dank großer Spendenbereitschaft wurden die notwendigen 6 700 Euro aufgebracht.