Vater Adebar ist ein Schwabe

09.06.2012 10:05 Uhr | Aktualisiert 09.06.2012 10:22 Uhr
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 Weggeduckt:  Nähert sich  ein Mensch  dem...

Weggeduckt: Nähert sich ein Mensch dem Nest, verharren die Jungen still und starr. Die Ringe für die Memlebener Jungstörche tragen die Kennung HL 041, 042 und 043 und werden in der Zentrale Hiddenssee erfasst. (FOTO: G. JÄGER)

Von Gisela Jäger
"Die Vor- und Nachbereitungen dauern stets am längsten, die Ringe anstecken ist eine Sache von Minuten", meint Horst Ihle, Gastwirt und "Storchenvater" in Memleben.
memleben. 

Was man auf den Ablauf einer Hochzeit beziehen könnte, meint die Beringung von Jungstörchen. Am Donnerstagvormittag war es soweit: die Männer der Altersabteilung der Feuerwehr Memleben rollten die 18 Meter lange Leiter zum Gemeindehaus. Die Naturschützer und Fachmänner für die Beringung, Ralf Müller und Rudolf Wendling, brachten die registrierten Vogelringe mit sowie die Sicherheitsausrüstung für das Erklimmen des Storchennestes. Das befindet sich seit Jahrzehnten auf dem Schornstein des Gemeindehauses in knapp zehn Meter Höhe.

Knapp vier Wochen sind die drei jungen Störche in Memleben alt, besitzen noch ein Daunenkleid, durch das aber schon die Flugfedern an Flügeln und Schwanz zu erkennen sind. "Noch gut vier Wochen wird es dauern, bis die Jungen ihr Nest verlassen werden", schätzt Rudolf Wendling. Dass bis dahin alle Bedingungen für das Aufwachsen der Störche stimmen, die Eltern die Jungen ausreichend mit Futter versorgen können, keine Krankheiten, kein Extremwetter die Vögel beeinträchtigt oder anderes droht, darauf hoffen alle.

Storchenwirt Horst Ihle wird das Geschehen genau beobachten. Im Gastraum läuft wieder die von einer Kamera auf dem Kirchturm aufgenommene Liveübertragung aus der Kinderstube der Störche. Akribisch hält Ihle die wichtigsten Daten fest. Der männliche Storch war am 5. März angekommen, am 19. März folgte der weibliche Vogel. Per Kamera entdeckte der Gastwirt, dass das Storchenmännchen beringt ist und die Angaben lesbar sind. Horst Ihle teilte dies der Beringungszentrale Hiddensee mit und erhielt Ende April die Mitteilung: Der Storch stammt aus Krautheim in Nordwürttemberg und wurde dort als Nestjunges am 16. Juni 2007 beringt. Immerhin 248 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt, hat dieser Storch eine neue Heimat gefunden. Die Herkunft der Storchenpartnerin bleibt unbekannt, weil sie nicht beringt ist. Die Beringungszentrale bedankte sich für die Mitteilung und erhält mit dem so genannten Wiederfund des Vogels wichtige Angaben für statistische und Analysezwecke.

Am 6. April lag das erste Ei im ausgepolsterten Nest. Zwei Störche schlüpften am 10. Mai, der dritte einen Tag später. Alle drei Jungen sind augenscheinlich in einem guten Gesundheits- und Entwicklungszustand. Abschließender Höhepunkt der Aktion war, dass Rudolf Wendling ein Storchenschild des Naturschutzbundes am Gemeindehaus anbrachte, auf dem in den kommenden Jahren die jeweilige Anzahl der Jungen erfasst wird.