Fall Görgülü
Stiller Protest vor Oberlandesgericht
erstellt 10.12.04, 22:12h
Naumburg/MZ/jpt. Am Tag der Menschenrechte
hat am Freitag vor dem Oberlandesgericht (OLG)
Naumburg eine Mahnwache "wegen wiederholter
Menschenrechtsverletzung" durch das OLG stattgefunden.
Dabei verteilten Angehörige und Freunde des
seit fünf Jahren um seinen Sohn kämpfenden
Türken Kazim Görgülü (MZ berichtete) Handzettel
und entzündeten Kerzen. Zugleich weitete sich
der bundesweit für Schlagzeilen sorgende Fall
zum offenen Konflikt am OLG selbst aus.
Anlass für die "stille Protestaktion" von
Kazim Görgülü ist eine Entscheidung des 14. Zivilsenats
am OLG vom Mittwoch. Darin wird dem in Krostitz
bei Leipzig lebenden Türken inzwischen das
dritte Mal der Kontakt zu seinem leiblichen
Sohn untersagt. Das uneheliche Kind war 1999
kurz nach der Geburt von seiner Mutter zur
Adoption freigegeben worden. Seither lebt
der Junge unter Obhut des Jugendamts bei Pflegeeltern
im Landkreis Wittenberg, obgleich Görgülü
Sorge- und Umgangsrecht beantragt hatte. Der
Fall hatte bundesweit im Februar für Schlagzeilen
gesorgt, als der Europäische Menschenrechtsgerichtshof
in Straßburg Görgülü Recht gab. Der Gerichtshof
sah in der Kontakt-Verweigerung durch das
OLG einen Menschenrechtsverstoß. Auch das
Bundesverfassungsgericht hatte erst im Oktober
das OLG-Urteil bemängelt und einen anderen
Senat des Naumburger Gerichts mit dem Fall
betraut.
Dennoch urteilte der 14. Senat erneut und
setzte eine einstweilige Anordnung des Amtsgerichts
Wittenberg aus. Danach hätte Görgülü seinen
Sohn ab heute jeden Samstag zwei Stunden treffen
dürfen. Der 8. Zivilsenat am OLG sieht im
Urteil des 14. Senats einen Rechtsbruch, weil
es gegen einstweilige Anordnungen zum Umgangsrecht
"keine Rechtsmittel gibt".




































