Verhandlungen
Tarifparteien setzten auf nächste Runde
Erste Metall-Gespräche ohne Annäherung - Gewerkschaft: «Verzichten gern auf einen Streik»
erstellt 02.10.08, 09:44h, aktualisiert 02.10.08, 16:42h
Darmstadt/ddp. Ergebnislos ist die bundesweit erste Tarifrunde
in der Metall- und Elektroindustrie am Donnerstag in Darmstadt nach
nur knapp zwei Stunden beendet worden. Arbeitgeber-Verhandlungsführer
Eduard Kulenkamp sagte, acht Prozent mehr Lohn zu fordern, sei von
der IG Metall «verantwortungslos». Der Bezirksleiter Mitte der IG
Metall, Armin Schild, warf den Unternehmern «Schwarzmalerei» vor,
rechnet aber noch im Oktober mit einer Einigung. Die
Gewerkschaftsforderung ist die höchste seit 16 Jahren. Die
Verhandlungen sollen am 23. Oktober fortgesetzt werden.
Die IG Metall fordert für die rund 430 000 Beschäftigten der
Branche in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland einen Abschluss
mit acht Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Schild sagte,
die derzeitige Umsatzrendite «von 21 Prozent ist für die Unternehmen
die höchste seit 38 Jahren». In den Forderungen sei auch eine
«erhebliche» Umverteilungskomponente enthalten, erläuterte der
Arbeitnehmer-Verhandlungsführer. Überdies müsse ein schneller
Abschluss her, für «Ehrenrunden» sei keine Zeit.
Arbeitgebersprecher Kulenkamp kritisierte, die Gewerkschaft habe
ihre Forderungen unzureichend begründet. Die Konjunktur entwickele
sich derzeit außerdem in eine «andere Richtung». Die Gewinne der
vergangenen Jahre hätten die Unternehmen in «Arbeitsplatzaufbau»
gesteckt. Wenn nun die Gewinne mit zu hohen Lohnforderungen
beeinträchtigt würden, gefährde das die Arbeitsplätze wieder. Ein
Angebot legten die Unternehmen am Donnerstag nicht vor. «Wir werden
jetzt in unseren Gremien beraten», kündigte Kulenkamp an.
Schild sagte, er nehme auch schon vor dem zweiten
Verhandlungstermin «Angebote entgegen». Den Unternehmen warf er vor,
sich hinter Rekordgewinnen zu verschanzen. In der Vergangenheit sei
argumentiert worden, dass die Renditen dem Jobaufbau dienten, sagte
Schild. Und nun sollten die Gewinne «die Jobs sichern». Nach dieser
Argumentation könnten die Beschäftigten zu keiner Zeit an den
Gewinnen teilhaben. Kulenkamp stellte dagegen eine «schnelle
Einigung» in Aussicht, sollte die IG Metall ihre Forderungen
herunterschrauben.
Die Gewerkschaft strebt nach eigenen Angaben einen Tarifabschluss
zum 1. November oder 1. Dezember an. Vor Beginn der Verhandlungen
hatte die IG Metall ihre Bereitschaft für Streiks erklärt. Beide
Seiten betonten am Donnerstag, ein früher Abschluss in Hessen,
Rheinland-Pfalz und dem Saarland könne eine «Pilotwirkung» für alle
anderen Tarifbezirke in Deutschland haben. Dort beginnen die
Verhandlungen in den kommenden Tagen.
Spätestens für den 23. Oktober erwarte Schild eine «ernsthafte
Verhandlungssituation». Ob die IG Metall zu Streiks aufrufe, sollten
die Arbeitgeber dann nicht mit einem Angebot aufwarten, ließ Schild
unbeantwortet. Die IG Metall wolle verhandeln, erläuterte er: «Wir
verzichten gern auf einen Streik.»
































