Deutsche Bahn
Mehdorn wusste angeblich von der Spitzelei
erstellt 08.02.09, 14:48h, aktualisiert 08.02.09, 18:36h

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, steht zunehmend unter Druck. (FOTO: DPA)
Berlin/ddp. In der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn hält der
Druck auf Bahnchef Hartmut Mehdorn an. In einem Brief an
Bundestagsabgeordnete gaben Mitarbeiter der Konzernrevision der Bahn
weitere Details über die Überwachung von Beschäftigten preis, wie
mehrere Zeitungen übereinstimmend am Wochenende berichteten.
Unterdessen hat ein Betriebsrat des Konzerns Strafanzeige gegen den
gesamten Bahnvorstand wegen der Datenaffäre gestellt. In dieser Woche
will die Bahn dem Verkehrsausschuss des Bundestages sowie den
Aufsichtsratsmitgliedern eine Untersuchung zur Datenaffäre vorlegen.
Wie die «Frankfurter Rundschau» (Samstagausgabe) und die «Welt am
Sonntag» übereinstimmend berichteten, beklagen Revisionsmitarbeiter
der Bahn in einem Schreiben vom 5. Februar an Mitglieder des
Verkehrsausschusses, dass Mehdorn über Überwachungsaufträge an die
Firma Network Deutschland - anders als behauptet - durchaus
informiert war. Sie kritisierten zudem, dass «in mehreren sehr
konkreten Verdachtsfällen weitere interne Ermittlungen gestoppt»
worden seien, «weil hochrangige Mitarbeiter» der Bahn ins Visier
geraten waren.
Zudem seien «hohe Rechnungen» bezahlt worden, «obwohl ihnen in
zahlreichen Fällen keine adäquate Gegenleistung gegenüberstand»,
berichteten beide Blätter weiter. Aus Angst vor «schwersten
Repressalien» hätten sich die Bahn-Revisoren anonym an die Politiker
gewandt, hieß es. Der Brief offenbare eine «Unkultur des Misstrauens
und des Schreckens, die dieses Haus Mehdorn verbreitet», sagte
Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann der «Frankfurter Rundschau».
Die Deutsche Bahn wollte zu dem Brief keine Stellung nehmen. «Es
handelt sich um ein anonymes Schreiben, dessen Autorenschaft und
Herkunft völlig ungeklärt sind. Auf dieser Grundlage zu spekulieren
und schwerwiegende Verdächtigungen abzuleiten ist unredlich», sagte
eine Sprecherin am Sonntag in Berlin auf Anfrage.
Bei der Deutschen Bahn wird derzeit mit Hochdruck an einer
Untersuchung des massenhaften Abgleichs von Mitarbeiterdaten mit
Lieferantendaten im Rahmen der Korruptionsbekämpfung gearbeitet. Für
Anfang der Woche hat der Konzern einen «ausführlichen Bericht» zur
Datenaffäre angekündigt, bevor sich am Mittwoch der Verkehrsausschuss
des Bundestages mit dem Thema befasst. «Falls die Untersuchung
ergibt, dass der Vorstand informiert war, dass Mitarbeiter ohne deren
Wissen und konkreten Verdacht überprüft wurden, muss der gesamte
Vorstand abtreten», sagte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel der «Welt am
Sonntag».
Unterdessen stellte offenbar erstmals in der Datenaffäre ein
Mitarbeiter Strafanzeige gegen den Konzernvorstand und die Firma
Network Deutschland. Wie der «Tagesspiegel» (Samstagausgabe)
berichtet, geht es in der Anzeige des Betriebsratsmitglieds um
Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz sowie um die Verletzung
des Post- und Fernmeldegeheimnisses. Darauf stünden im Höchstfall
zwei beziehungsweise fünf Jahre Haft. Der von der Bahn durchgeführte
Datenabgleich habe offenbar dazu gedient, andere zu schädigen, etwa
Kritiker des inzwischen abgesagten Börsengangs, und sei deshalb
strafbar, zitiert das Blatt den Bonner Rechtsanwalt Klaus Michael
Alenfelder.


























