WM 2010
Deutsche Fans sollen das Tröten lernen
VON Florian Lütticke, 30.06.09, 17:15h, aktualisiert 03.05.10, 10:56h

Anna hält in Düsseldorf Vuvuzelas in den Landesfarben Griechenlands (l-r), Deutschlands und Südafrikas in den Händen. Bundestrainer Löw würde die südafrikanischen Vuvuzelas am liebsten abschaffen, doch zwei Geschäftsleute aus Düsseldorf wollen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 auch den deutschen Fans die Trötentöne beibringen. (FOTO: DPA)
Düsseldorf/dpa. Joachim Löw würde die südafrikanischen
Vuvuzelas am liebsten abschaffen, doch zwei Geschäftsleute aus
Düsseldorf wollen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 auch den
deutschen Fans die Trötentöne beibringen. Waren bei der WM 2006 noch
die schwarz-rot-goldenen Autofähnchen der Renner, setzt Frank Urbas
nun auf die armlangen Blasinstrumente als Verkaufsschlager. «Der Hype
ist unglaublich», erklärte der Unternehmer im Gespräch mit der
Deutschen Presse-Agentur dpa.
Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Gerd Kehrberg hat er sich
die Marken- und Vertriebsrechte innerhalb der Europäischen Union (EU)
für die Vuvuzelas gesichert, die beim Confederations Cup im Kapstaat
bei Trainern und Spielern auch für viele Missklänge gesorgt hatten.
Nach eigenen Angaben haben die Düsseldorfer bereits Anfragen für mehr
als eine Millionen Fanfaren.
Bei versierten Afrikanern sollen die Töne an das Trompeten von
Elefanten erinnern, doch tröten-unerfahrene Europäer müssten das
Vuvuzela-Blasen erst erlernen und üben. «Wir werden eine Anleitung
beilegen», erläuterte Kehrberg. Doch schon nach wenigen Versuchen
erschließt sich, warum «Vuvuzela» vermutlich der Zulu-Sprache
entstammt und «Krach machen» bedeutet. Von diesem Herbst an sollen
die lärmenden Tröten in Deutschland produziert werden und vor dem
Weihnachtsgeschäft in den Geschäften liegen. Im Gegensatz zum
Original aus Südafrika besteht die deutsche Vuvuzela laut Urbas aus
drei Teilen. «Das vereinfacht den Transport und die Lagerung.» Und
sollte ein Fan mit der Tröte zuschlagen, zerfalle sie in ihre
Einzelteile.
Nervtötende Dauerbeschallung oder Zeichen afrikanischer Freude am
Fußball? - die Fußball-Welt ist gespalten. «Wir sind zu Gast in
Südafrika, das ist ein rhythmisches Land. Die Vuvuzela gehört zum
Fußball wie bei uns die Fahnen. Aber ich kann jeden verstehen, der
sich daran gewöhnen muss», räumte Urbas ein. Der spanische
Mittelfeldspieler Xabi Alonso und Bundestrainer Löw haben bereits für
ein Verbot plädiert. «Ich würde sie abschaffen, wenn es irgendwie
möglich wäre», sagte Löw. «Im Laufe der Zeit nervt das enorm.»
FIFA-Präsident Joseph Blatter setzte sich jedoch bereits für die
musikalische Freiheit ein. Die Vuvuzelas werden deshalb bei der WM
wohl nicht verstummen. Nach Südafrika besteht für die deutsche
Initiative «Gegen Vuvuzelas - pro Stimmung» ebenfalls wenig Hoffnung
auf Ruhe: In der Ukraine tröten die Zuschauer ausgiebig mit ähnlich
lärmenden Instrumenten auf den Rängen. Dort findet 2012 die
Europameisterschaft statt. Es dürfte dank der Düsseldorfer
Unternehmer auch nicht mehr allzu lange dauern, bis die erste
Vuvuzela auf den Bundesliga-Tribünen auftaucht.
































