Schattenhaushalt
Schäbiger Trick
VON Jochen Loreck, 21.10.09, 23:46h, aktualisiert 22.10.09, 00:59h
Der Bundeshaushalt kennt seit
nunmehr vier Jahrzehnten eine Konstante: Jahr
für Jahr gibt der Staat mehr aus als er einnimmt,
häuft stetig neue Schulden an. Pro Sekunde
kommen noch mal gut 4000 Euro auf den Schuldenberg
oben drauf, der jetzt schon die gigantische
Höhe von fast 1,7 Billionen Euro aufweist.
Wann der Gipfelpunkt erreicht ist und der
Staat endlich mit dem "Abstottern" beginnt
- dieser Zeitpunkt ist völlig offen.
Angesichts der sich neu formierenden schwarz-gelben
Koalition in Zeiten knapper Kassen sollte
jetzt eigentlich der Begriff Haushaltsdisziplin
zu neuen Ehren kommen. Doch Fehlanzeige! Die
Fiskalpolitik auf Pump geht munter weiter.
Besonders bedenklich: der Trick mit dem Schattenhaushalt.
Faktisch läuft die schwarz-gelbe Finanzvereinbarung
darauf hinaus, neben dem großen Schuldenberg
einen weiteren Schuldenhügel anzulegen - bloß
damit ein Teil der "Miesen" nicht mehr so
ganz ins öffentliche Bewusstsein rückt.
Auch frühere Regierungen haben gegen das Prinzip
der Haushaltsklarheit und -wahrheit verstoßen
- zuletzt bei der Abwrackprämie. Damals lief
die FDP Sturm gegen einen solchen Schattenhaushalt,
sprach von "Verschleierung" und "Täuschung
der Öffentlichkeit". Jetzt - nach der Wahl
- folgt ein windiges Wendemanöver, und FDP-Vize
Rainer Brüderle erklärt keck, Schattenhaushalte
"hat es schon immer gegeben". Stimmt! Und
sie waren immer der Versuch, den dringend
erforderlichen Ausstieg aus der Schuldenspirale
in Richtung Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist drauf und
dran, einen Teil ihres guten Rufes einzubüßen.
Hatte sie nicht einst erklärt, ihr Vorbild
sei die sparsame "schwäbische Hausfrau"? Diese
Hausfrau würde doch wohl als eisernen Grundsatz
verkünden: Wenn schon neue Schulden, dann
gehören sie in die reguläre Etatplanung hinein
und werden mit einer Rückzahlungsperspektive
verbunden. Alles andere wäre grob leichtfertig.
Und künftige Generationen würden von einem
Zeitalter der Verantwortungslosigkeit sprechen,
in dem das Prinzip galt: "Nach uns die Sintflut".
Kontakt zum Autor: Jochen Loreck






























