OBERLANDESGERICHT
Staudte-Film und Vortrag über Kelsen
Begleitprogramm zur Justiz-Ausstellung.
VON ALBRECHT GÜNTHER, 20.11.09, 19:11h, aktualisiert 20.11.09, 19:16h
NAUMBURG. Begleitend zur Ausstellung "Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes", die im Oberlandesgericht Naumburg zu sehen ist, wird am Dienstag, 24. November, ab 19.30 Uhr im Filmtheater Cineplex in Naumburg der Film "Rosen für den Staatsanwalt" gezeigt.
Der 1959 in Kassel und Hannover gedrehte Spielfilm basiert auf einer wahren Begebenheit, heißt es in einer Ankündigung. In den letzten Kriegstagen wird der Gefreite Kleinschmidt wegen des angeblichen Diebstahls zweier Dosen Scho-Ka-Kola-Schokolade zum Tod verurteilt. An der Entscheidung ist Kriegsgerichtsrat Schramm beteiligt. Kleinschmidt gelingt bei einem Luftangriff die Flucht vor seiner Exekution. Mehr als zehn Jahre später trifft Schramm, der inzwischen Oberstaatsanwalt ist, auf seine Vergangenheit: Ihm begegnet Kleinschmidt, den er von nun an aus der Stadt treiben will. Um aber den alten Fall erneut aufzurollen und sich zu widersetzen, schlägt Kleinschmidt am Bahnhof eine Scheibe ein und stiehlt diesmal tatsächlich zwei Dosen Scho-Ka-Cola. Es kommt erneut zur Anklage.
Regisseur Wolfgang Staudte beschreibt in dieser bissigen Satire die Zustände in der bundesdeutschen Justiz der Adenauer-Zeit. "Mit bitterer Ironie schildert der zeitkritische Film die Verdrängung faschistischer Vergangenheit und den Fortbestand alter obrigkeitsstaatlicher Tendenzen in der Bundesrepublik. Obwohl er durch zahlreiche Konzessionen ans Unterhaltungskino jener Jahre teilweise an Schärfe und Deutlichkeit verliert, bleibt er doch in zentralen Punkten treffsicher und beständig aktuell. Brillant: Martin Held als Staatsanwalt", so das Lexikon des internationalen Films (München, 1997). Im Anschluss an die Vorführung besteht Gelegenheit zur Filmdiskussion mit dem Richter am Oberlandesgericht Günter Handke.
Am Mittwoch, 25. November, sind dann Interessierte ab 18 Uhr herzlich in den Saal 525 des Oberlandesgerichts Naumburg, Domplatz 10, zu dem öffentlichen Vortrag "Hans Kelsen - Ein Jurist im Strudel der Geschichte" eingeladen. Günter Handke spricht über den jüdischen Völkerrechtler und Rechtshistoriker Kelsen. Der 1881 in Prag geborene Kelsen gilt als Begründer der Reinen Rechtslehre und Vater des österreichischen Bundesverfassungsgesetzes. Er gehört zu den bedeutendsten Rechtshistorikern des 20. Jahrhunderts. Der Vortrag widmet sich den Stationen seines wechselvollen Lebens - der Professur in Wien, der Tätigkeit als Verfassungsrichter, der Professur in Köln, von wo er wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 nach Genf flüchtete und schließlich 1940 in die USA emigrierte, wo er ebenfalls als Professor wissenschaftlich tätig war. Gleichzeitig wirft der Vortrag einen Blick auf Kelsens rechtstheoretische Grundpositionen, die durch das nationalsozialistische Unrecht auf eine harte Probe gestellt wurden. Kelsen aber blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1973 stets ein Verfechter von Freiheit und Demokratie.
Auch diese Veranstaltung findet im Rahmenprogramm der Ausstellung "Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes" statt. Die Ausstellung kann zuvor im Oberlandesgericht besichtigt werden. Eintrittsgebühren werden nicht erhoben. Zur Ausstellung sind zwei Begleithefte erschienen.




























