Musik
Runder Geburtstag einer unsterblichen Pop-Queen
An der Seite ihres ersten Mannes Ike und später ganz allein hat Tina Turner Rockgeschichte geschrieben
VON STEFFEN KÖNAU, 25.11.09, 19:01h, aktualisiert 25.11.09, 19:03h
HALLE/MZ. Der Mann, der sie später so schrecklich quälen sollte, wollte sie am Anfang gar nicht haben. Ike Turner glaubte nicht, dass das gerade 16-jährige Mädchen aus Nutbush, Tenessee, seiner Band als Sängerin helfen könnte.
Anna Mae Bullock belehrte ihn eines Besseren. Nach drei Jahren teilte die als Background-Sängerin eingestellte junge Dame nicht nur das Bett mit ihm. Der egomanische Musiker gab sogar seiner Band einen neuen Namen, angelehnt an den Künstlernamen seiner Frau: "Ike & Tina Turner Revue". Vier Jahrzehnte später ist Tina Turner immer noch da. Die Frau, die am Donnerstag ihren 70. Geburtstag feiert, hat mehr als ein Kapitel Rockgeschichte geschrieben. Mit Ike hatte sie Hits wie "Proud Mary" und "Nutbush City Limits", mit Phil Spector entwarf sie das rauschhafte "River Deep", für die The Who-Rockoper "Tommy" spielte sie die "Acid-Queen" und als ihre Karriere nach der Trennung vom gewalttätigen Ehemann am Ende schien, begann sie eine neue, noch erfolgreichere.
Dabei war Tina Turner nie eine Künstlerin mit dem genialen Händchen für Kompositionen. Doch die Tochter eines Fabrikarbeiters fand stets zur richtigen Zeit die richtigen Lied-Lieferanten. Nach ihrer abrupten Flucht aus dem von Ike gebauten Ehekäfig versteckte sie sich monatelang, ehe sie mit dem Album voller Coveraufnahmen von Elton John-, Willie Dixon- und Bob Seeger-Nummern einen neuen Anfang wagte.
Fünf Jahre später war sie wieder dort, wo sie herkam: Ihre Version des R & B-Krachers "What's Love Got to Do with It" eroberte die Charts, das Album "Private Dancer" machte aus der 44-Jährigen im knallengen Rock und mit der gewaltig auftoupierten Mähne ein Sexsymbol. Mit dem Titelsong, den ihr Dire-Straits-Chef Mark Knopfler geschrieben hatte, gewann Tina Turner die MTV Video Music Awards, die American Music Awards und vier Grammys.
Seitdem war Tina Turner nie mehr so richtig weg, auch wenn sie nicht immer da war. Aus dem alten Bonnie-Tyler-Stück "The Best" machte die Mutter zweier Söhne einen Welthit, gemeinsam mit den U2-Musikern Bono und The Edge entwarf sie für den Bond-Film "Goldeneye" den lasziven Titelsong. Zuletzt legte die auf der Bühne noch immer im kürzestmöglichen Rock auftretende Künstlerin mit "Tina Live" einen furiosen Mitschnitt eines Konzertes ihrer Tour zum 50. Berufsjubiläum vor.
Die amerikanische Showmasterin Oprah Winfrey zollte der lange mit ihrem deutschen Lebensgefährten Erwin Bach in Köln lebenden Legende einmal das größte Lob: "Tina Turner hat nicht nur überlebt, sie hat triumphiert".



























