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Reisemesse ITB

Pauschal, öko oder exotisch

VON Sarah Teschlade, Stefan Lakeband, Christian Müller und Marten Hahn, 08.03.10, 17:46h, aktualisiert 11.03.10, 17:56h
Folkloretänzer aus Taiwan
In bunten Kostümen begrüßen Folkloretänzer aus Taiwan auf der Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin die Gäste. (FOTO: DPA)
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BERLIN/MZ. Egal ob Meer oder Berge, Strandliege oder Wanderweg - der Urlaub ist den Deutschen eigentlich heilig. Nach einem Krisenjahr für die Reiseveranstalter, hofft die Branche deshalb 2010 auf ein leichtes Wachstum. Das hat der Deutsche Reiseverband vor der Eröffnung der Internationalen Tourismusmesse in Berlin verkündet. Derzeit strömt das Fachpublikum durch die Hallen, am Wochenende folgen die potenziellen Urlauber. Sie sind ein ziemlich gemischtes Völkchen. Eine kleine Typologie der Reisenden:

Der Camping-Urlauber

Es schien, als sei der Homo caravanis ausgestorben. All-inclusive-Angebote drohten Wohnmobile und Zelte völlig aus der Urlaubsplanung der Deutschen zu verdrängen. Prognosen zeigen jedoch, dass das Campen vor einem Comeback steht. Der Caravan kommt also wieder ins Rollen. Das Reisen mit Wohnwagen oder Wohnmobil ist nicht mehr nur unter Familien und Rentnern beliebt. Auch Jugendlichen, die sonst eher die Übernachtung im Zelt bevorzugten, beladen die klassischen Bullys, jene Volkswagen-Busse für Surfer und Hippies. Sie versprechen sich davon einen preiswerten und doch komfortablen Urlaub. Für die Luxusverwöhnten bieten Campingplätze inzwischen sogar Fernsehanschlüsse und mobiles Internet an. Alles ganz wie daheim.

Der Pauschaltourist

Der Pauschalurlaub ist seit den 50er-Jahren der Klassiker unter den Reisen. Flug und Hotel werden im Paket gebucht, oft in Verbindung mit einem All-inclusive-Angebot vor Ort. Vor allem für die Sparfüchse unter den junge Leuten und Familien ist das Angebot reizvoll. Sie müssen nicht überlegen, was der Abend beim Italiener oder Spanier kostet. Essen und Trinken sind schon einkalkuliert. Der Pauschalist liebt Länder mit Schönwetter-Garantie. Die Top-Drei sind Spanien, Italien und die Türkei.

Der Umweltbewusste

Älter als 35, mindestens Abitur oder einen Universitätsabschluss und sozial gut gestellt - so beschreiben Untersuchungen den Öko-Urlauber. Er will Land und Leute ganz bewusst kennen lernen und erkundigt sich auch nach der Solaranlage auf dem Hoteldach und dem Energieverbrauch von Unterkünften. Wer auch im Urlaub auf seine Klimabilanz achtet, muss etwas mehr bezahlen. Grün kostet.

Der Kreuzfahrt-Tourist

Auf einem Luxusliner den Ozean durchkreuzen, jeden Tag durch eine andere Hafenstadt schlendern und wieder an Bord, keine anderen Sorgen haben, außer sich am Pool zwischen den vielen Cocktails für einen entscheiden zu müssen. Eine Karibik-Kreuzfahrt ist der Traum vieler Urlauber. Das Durchschnittsalter liegt zwischen 47 und 57 Jahren, für Jüngere gibt es Disney-Dampfer mit Vergnügungspark. 2009 entschieden sich mehr als 13 Millionen Menschen weltweit für Ferien auf einem der schwimmenden Hotels. Die Branche hatte die Preise aufgrund der Finanzkrise gesenkt. Eine Woche Kreuzfahrt in der Karibik bekommt man derzeit für 700 Euro pro Person. Die Preise sollen in diesem Jahr wieder anziehen.

Der Rucksack-Tourist

Er ist eigentlich kein Tourist, nein, er ist ein Reisender. Mit dem gesamten Gepäck auf dem Rücken erkundet er die entlegensten Winkel der Erde und sammelt Erfahrungen statt schnöder Fotos. Er wertet das als moralischen Vorteil. Der Backpacker sucht das Authentische im Fremden: den echt original Einheimischen, den unberührten Strand und das traditionelle Nationalgericht. Den Reiseführer für einsame Planetenwandler in der Hand, die Flip-Flops am Rucksack und die Regenjacke über der Schulter durchquert er die Anden, den vietnamesischen Dschungel oder europäische Metropolen. Dabei dürfen seine Abenteuer möglichst nur wenig kosten, denn nicht selten dauern die Reisen mehrere Wochen. Dafür nimmt der Backpacker auch verdreckte Bäder und den Mehrbett-Schlafsaal im Hostel in Kauf. Dort aber findet er statt Lokalkolorit vor allem Seinesgleichen. Und so muss er sich am Ende der Tour vielleicht doch eingestehen: Ein Tourist ist ein Tourist.

Der Abenteurer

Ob schwimmen mit Haien in Südafrika oder die Überquerung des Himalayas - der Abenteuer-Urlauber sucht nach einer Herausforderung, nach dem ultimativen "Kick". Für ihn bedeutet Strandurlaub auf Mallorca nicht Entspannung, sondern pure Langeweile. Der Abenteuerer braucht in seinem Urlaub das Neue, das Unbekannte. Das kann eine Extremsportart sein, der allbekannte "Kulturschock" oder die spirituelle Suche "nach sich selbst". Vor allem junge Erwachsene begeben sich gerne auf Abenteuerreisen. Das Abenteuer reizt die Deutschen, doch die wenigsten gehen das Risiko eines Trips durch den Dschungel wirklich ein. Es gilt das Urlaubs-Motto: Entführt mich in eine Traumwelt, aber zum Abendessen will ich sicher am Tisch sitzen.


    
    






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