Verbraucher
Vor- und Nachteile von Kundenkarten
erstellt 11.03.10, 08:33h

Bunte Welt der Rabatte: Viele Deutsche haben gleich mehrere Kundenkarten. (FOTO: DPA)
Berlin/Mainz/dpa. «Haben Sie auch eine Kundenkarte?» An der
Supermarkt-, Kaufhaus- oder Drogeriekasse können Einkäufer der Frage
kaum mehr entgehen. Wer eine hat, reicht die Karte in vielen Fällen
ungefragt über den Tresen. Dabei, so haben Auswertungen von
Verbraucherschützern ergeben, sind die möglichen Ersparnisse gering.
Und Kunden geben den Unternehmen mit dem Antrag auf die Karte auch ihre persönlichen Daten preis.
Kundenkarten versprechen viel. Payback und Deutschland Card sind
die größten Anbieter. Sie setzen im Mehrpartnerprogramm auf Rabatte
und Prämien, bundesweit und bei ausgewählten Händlern. Die
Payback-Karte findet sich nach Angaben des Unternehmens in rund 60
Prozent der deutschen Haushalte und kooperiert mit ungefähr 230
Partnern. Die neuere Deutschland Card steckt in den Geldbörsen von
rund sechs Millionen Deutschen und hat ungefähr 200
Partner-Unternehmen.
Hunderte Karten einzelner Firmen gibt es zusätzlich, so die
Stiftung Warentest in Berlin. Sie hat den Markt der Rabatt- und
Kundenkarten schon vor einiger Zeit für ihre Zeitschrift «Finanztest»
(Ausgabe 6/2008) detailliert untersucht und listet dabei auch die
Karten einzelner Mode- oder Baumarktketten auf. Den meisten bekannt
ist wohl auch das Lufthansa-Programm «Miles and more», das Rabatte
für Vielflieger bietet.
Das Hauptmotiv der Anbieter ist das Binden der Käufer. «Kunden mit
Bezahlkarten kommen öfter zum Einkauf», sagt Kai Hartmann von IKEA.
Die «Family Card» des Unternehmens ist bereits mehr als acht
Millionen Mal im Umlauf. Die Deutschen stecken sich für die
angebotenen Vorteile offenbar gern noch eine Karte mehr ins
Portemonnaie - und reichen sie beim Bezahlen eifrig dem
Kassenpersonal hinüber: «Insgesamt haben Payback-Kunden im Jahr 2009
einen Wert von zirka 162 Millionen Euro gesammelt», sagt
Unternehmenssprecherin Nina Purtscher in München.
Doch nach der Auswertung der Stiftung Warentest hält sich der
Sparvorteil in engen Grenzen: «Die regelmäßige Ersparnis ist mäßig,
sofern sich die Sammelpunkte überhaupt umrechnen lassen.» Untersucht
wurden in dem Test 23 kostenlose Rabatt- und Kundenkarten. Das
Ergebnis: Kunden könnten lediglich zwischen 0,5 und drei Prozent
sparen. «Gibt es höhere Rabatte, muss der Kunde zuvor gewöhnlich
einen höheren Mindestumsatz erreichen», sagt Warentesterin Kerstin
Backofen.
Die Organisation bemängelt außerdem die Unübersichtlichkeit der
Rabattierung. Bei Mehrpartner-Programmen gibt es oft Sonderaktionen,
die höhere Rabatte oder mehr Punkte versprechen. Punkte können zudem
verfallen - so verschwinden diese bei Payback nach einer
Gültigkeitsdauer von 36 Monaten, wenn sie nicht zuvor eingelöst
werden. Vielen Verbrauchern ist das den Platz in der Brieftasche
dennoch wert - sonst würden sie nicht so eifrig Punkte sammeln. Auch
um ihre persönlichen Daten ist ihnen nicht bange.
Dabei haben Verbraucher- und Datenschützer immer wieder auf Mängel
hingewiesen. Das neue Bundesdatenschutzgesetz vom 1. September 2009
besagt, dass die Nutzung von Kundendaten grundsätzlich nur noch mit
Einwilligung des Betroffenen möglich sein soll. Lediglich nach dem
«Listenprivileg» dürfen die Firmen Kundendaten weiterreichen. Das
bedeutet, dass Anbieter nur bestimmte Daten auswerten oder an Dritte
weitergeben dürfen. Darunter fallen nach dem Gesetz ausschließlich
Name, Anschrift, Titel, akademische Grade und Geburtsjahr.
Viele Anträge für Kundenkarten erfragen aber nicht nur die
Stammdaten. Auch Angaben zu Einkommen, Mietzahlungen oder
Familienstand soll der Verbraucher auf den Bögen angeben. «Dadurch
ist eine detaillierte Analyse des Konsumverhaltens möglich», urteilt
Thilo Weichert vom Unabhängigen Datenschutzzentrum in
Schleswig-Holstein (ULD). Wo der Kunde einkauft, was er in welchen
Mengen konsumiert und wie viel Geld er insgesamt ausgibt - all das
werde gespeichert.
Die Verbraucherzentralen Rheinland-Pfalz und Niedersachsen haben
im vergangenen Jahr 22 Kundenbindungssysteme auf ihre Datensicherheit
hin untersucht. Das Fazit: «Viele Unternehmen informieren nicht klar
und deutlich darüber, was mit den - oftmals zu viel erhobenen - Daten
der Verbraucher geschieht und dass Verbrauchern ein gesetzliches
Auskunftsrecht über die gespeicherten Daten zusteht.»
Bemängelt haben die Verbraucherschützer außerdem fehlende
Transparenz: Der Kunde bleibe in Unkenntnis des Verwendungszwecks
seiner Daten und der Dauer der Speicherung. «Wenige Anbieter von
Kundenkarten weisen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf die
konkrete Nutzung der Daten hin», sagt Lore Herrmann-Karch von der
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.
In manchen Anträgen kann der Verbraucher der Weiternutzung seiner
Daten optional zustimmen oder diese abwählen. «Oft sind die
Formulierungen dabei schwammig, bei Unklarheiten sollte man sich
direkt beim Anbieter nach der genauen Bedeutung erkundigen», rät
Warentesterin Backofen. Und jeder Kunde sollte sich im Klaren sein:
«Sobald ich meine Daten aus der Hand gebe, ist deren Weg für mich
nicht mehr steuerbar.»
Denkbar ist auch eine Verwendung zu Werbezwecken. Den «Schutz der
Persönlichkeitsrechte» und «keine Werbeflut im Briefkasten»
verspricht Payback. Aber die Karten werden für die Werbung
eingesetzt, wenn die «auf Ihre Bedürfnisse und Interessen
zugeschnitten ist», heißt es beim Anbieter der Deutschland Card in
den Datenschutzhinweisen.
«Für die Unternehmen rechnen sich Kundenkarten mehr als für die
Kunden selbst», lautet das Fazit von Herrmann-Karch. Ein weiterer
Nachteil der Kartennutzung liege im Psychologischen: «Wenn man
Kundenkarten nutzt, vergleicht man die Preise oft nicht mehr
intensiv.» Eine Alternative seien Treuekarten, empfiehlt Backofen. Ob
beim Friseur, Bäcker oder im Café - Stempelkarten nach dem Prinzip
«Kaufe zehn und kriege einen umsonst» wahren die Anonymität des
Kunden. Und es lässt sich leicht ausrechnen: Der Rabatt beträgt zehn
Prozent.


























