Burg
Verein übernimmt ältesten Kinobau Deutschlands

«In den vergangenen Jahren hatten wir durchschnittlich gerade einmal 6000 Zuschauer pro Jahr», erzählt Schlaak. Dass das Kino dennoch überlebt hat, ist dem großen Enthusiasmus des Besitzers zu verdanken. «Das geht nur mit allen möglichen Einsparungen, indem man die Ausgaben auf niedrigstem Niveau hält und dennoch mit größtem Eifer dabei ist.» Bis 1996 habe es für das Burger Kino keine Probleme gegeben. «Doch mit dem Bau mehrerer Multiplexkinos in der Umgebung waren die guten Zeiten vorbei. Ich habe von 1996 auf 1997 rund 20 000 Besucher verloren, die in große Center gefahren sind», sagt Schlaak.
Riesige Leuchtreklamen, die in großen Kinos den Eingangsbereich zieren und Gästen oft schon aus der Ferne entgegenblitzen, sucht man im Burger Kino vergebens. Die Lage in einer kleinen Gasse gibt das nicht her. Nur ein stark mitgenommener Schriftzug «Burg Theater» lässt einen Kinobetrieb erahnen.
Bis Ende des vergangenen Jahres stand das Kino vor dem Aus. Mittlerweile stünden die Chancen auf Weiterbetrieb bei 80 Prozent, sagt Emanuel Conrady. Zusammen mit sechs anderen Burgern, hat er den Verein «Weitblick» zur Rettung des Kinos gegründet. Mit Hilfe eines neuen Konzepts, das auf Gemeinnützigkeit, Regionalität und Ehrenamt baut, möchte die Gruppe das sanierungsbedürftige Kino erhalten. Laut Conrady müssen vor allem das vom Unwetter beschädigte Dach, die Decke sowie der Eingangsbereich erneuert werden. «Es schmerzt mich, dass ich das Kino nicht in dem Zustand übergeben kann, wie es mal gewesen ist», sagt Kinobesitzer Schlaak.
Es gab in den vergangenen Wochen aber auch erfreuliche Nachrichten. Denn der Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Film, Peter Hansen, hat festgestellt, dass das «Burg Theater» der älteste, noch erhaltene Kinozweckbau in Deutschland ist. Bisher hatte sich das Cottbuser Lichtspieltheater «Weltspiegel» mit diesem Titel geschmückt. Hansen forschte daraufhin im Burger Stadtarchiv nach und fand heraus, dass das Burger Kino unter dem Namen «Palast-Theater» am 3. Juni 1911 eröffnet wurde und damit vier Monate älter ist als das Kino in Cottbus. Es gibt zwar Kinos, die noch älter sind, aber nicht in eigenen Gebäuden, sondern in Wohn- oder Geschäftshäusern untergebracht sind.
Bis Ende Juni wird Schlaak das «Burg Theater» noch betreiben und die «Weitblick»-Mitglieder auf die neue Aufgabe vorbereiten. Die Neueröffnung unter der Trägerschaft des Vereins ist für September geplant. «Ich hoffe, dass der Verein ein glückliches Händchen haben wird», sagt Schlaak, der sich noch genau an die schönsten Momente im «Burg Theater» erinnern kann: «Die Errichtung der Kinobar 1985 bei laufendem Betrieb und den Ansturm bei Dirty Dancing in den 80er Jahren werde ich nie vergessen.»



































