Hans Albers
Großer Junge mit blauen Augen
Albers, 1891 als sechstes Kind eines Schlachtermeisters und dessen Frau Johanna im Hamburger Stadtteil St. Georg geboren und am 24. Juli 1960 am Starnberger See gestorben, gehört zu den Vergessenen. Aber wieso? Wieso kennt jeder Marlene Dietrich, mit der Albers den "Blauen Engel" drehte, aber ihn nicht mehr? Der Mann mit dem Hut, stets schräg ins Gesicht gezogen, war berühmt.
Er spielte über hundert Stummfilmrollen und war 1929 im ersten deutschen Tonfilm ("Die Nacht gehört uns") zu sehen. Er war eine Theatergröße, das Publikum lag dem Mimen zu Füßen. Er bekam die besten Rollen, war bei Produzenten als Publikumsmagnet hoch geschätzt und konnte aberwitzige Gagen aushandeln.
Der Farbfilm "Münchhausen" (1943) war ein sensationeller Publikumserfolg, in Berlin wurde er 1956 als bester Darsteller in "Vor Sonnenuntergang" mit dem Goldenen Bären geehrt. 1960 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 1991, zu seinem 100. Geburtstag, zeigte eine Briefmarke der Deutschen Post sein Konterfei. Und, nicht zu vergessen, er hatte "La Paloma" gesungen, eines der meistverbreitetsten Lieder weltweit. Seemannswehmut.
Am Tag nach seinem Tod schrieb eine Zeitung in Hamburg: "Es ist, als ob jemand ein Stück des Hamburger Michels abgerissen hätte." Zu seinem Begräbnis auf dem Ohlsdorfer Friedhof kamen mehr als 10 000 tief bewegte Menschen. Hans Albers verkörperte nicht, was man heute einen Star nennt. Er war ein Volksliebling, äußerst populär mit seiner melancholischen Sehnsucht nach Meer und Weite, Hafenromantik und Reeperbahn, nach seiner Heimatstadt Hamburg, der er mit "Große Freiheit Nr. 7" und "Das Herz von St. Pauli" cineastische Denkmale setzte.
Starallüren lagen ihm nicht, er setzte lieber auf seinen sonoren Dauerhumor, mit dem er die Leute verlässlich unterhielt. Seine Schallplatten zeigen noch mehr als seine Filme, wer er war. "Komm auf die Schaukel, Luise", trällerte er. "O Signorina-rina-rina", "In jedem Hafen gibt's den Blauen Peter", "Kokosnüsse und Bananen", "Ich kam aus Alabama", "Fünf kleine Affen".
Banale Titel, aber er füllte sie mit Sehnsuchtsinhalten, ob in der Operette, als Tango, Foxtrott, Walzerlied und vor allem Seemannslied. Es war seine brüchige Stimme, die anrührte. Das Gefühl darin. Das passte in die Zeit des Fernwehs in den Wirtschaftswunderjahren. Hans Albers ist einer von uns, dachten der Hafenarbeiter, der Fernfahrer, die Hausfrau und der Lehrer. Dafür liebten sie ihn und nahmen ihm auch sein "Trippel, trippel, trapp" aus dem musikalischen Bühnenstück "Katharina Knie" nicht übel.
Der Filmregisseur Helmut Käutner brachte es zu Albers' Beerdigung auf den Punkt: "Du warst ein wahrer König. Dein Zepter war der Humor und deine Krone dein goldenes Herz. Good bye, Johnny. Gute Fahrt!" Der große Kritiker Friedrich Luft nannte ihn "ein Gottesgeschenk, weil man selbst gern so wäre."
Von seiner jüdischen Lebensgefährtin, der Schauspielerin Hansi Burg, wollte er sich nicht trennen im Dritten Reich, musste es aber dann doch, weil sie in Gefahr war. Er organisierte 1939 im letzten Moment ihre Flucht nach England, nahm sich pro forma eine Freundin, bis Hansi Burg 1946 zu ihm zurückkehrte. Zu den Nazis hielt Albers Abstand, ließ sich zwar für Propagandafilme einspannen, schaffte es aber, einen Schauspielpreis nicht aus der Hand von Propagandaminister Joseph Goebbels entgegennehmen zu müssen.
Was die wenigsten wussten: Albers hatte ein großes Problem. Nur mit Mühe gelang es ihm, seine Alkoholabhängigkeit zu verschleiern. Als es ans Sterben ging, mochte er sich nicht von seinem geliebten Cadillac trennen und ließ sich vom Chauffeur noch mal um den Starnberger See fahren. "Ich glaube, das war meine letzte Ausfahrt", resümierte der blonde Hans. Dabei trug er über Jahrzehnte ein Toupet.



















