Polizeieinsatz in Hamburg
Verständnis für Randalierer

"Kriegsähnliche Zustände"
Die Beamten stünden nach Einsätzen mit "zum Teil kriegsähnlichen Zuständen" unter höchster Anspannung. Daher gelte es zwischen den "theoretischen Betrachtungen von Sesselhockern und der Lebenswirklichkeit eines Bereitschaftspolizisten zu unterscheiden". Gleichwohl sei das Verhalten der Polizisten geeignet, dem Ansehen der Polizei und des Landes Sachsen-Anhalt zu schaden. Die Beamten müssten sich daher schnell entschuldigen. Dann aber sollte die Aufgeregtheit schnell wieder abebben, meinte Stahlknecht. Lydia Hüskens, parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Fraktion, kritisierte zwar die Geschehnisse in Hamburg als "bedauerlich und ärgerlich". Sie seien auch nicht mit der hohen Arbeitsbelastung der Beamten zu entschuldigen. Dennoch müsse geprüft werden, ob die Belastungen, unter denen die Polizisten stehen, nicht teilweise zu hoch seien. "Dauereinsätze und Überarbeitung führen offenbar zu Überreaktionen", sagte Hüskens. Das Innenministerium müsse daher nach Wegen suchen, die Belastung der Beamten auf einem normalen Niveau zu halten.
Derweil prüft das Ministerium, ob es bei der Randale im Steigenberger-Hotel in Hamburg zu rassistischen Äußerungen gekommen ist. Ein hoher Polizeibeamter aus Sachsen-Anhalt hatte gegenüber der MZ erklärt, ihm hätten sowohl ein bei den Vorfällen in Hamburg anwesender Bereitschaftspolizist als auch ein Beamter des Innenministeriums versichert, es hätte fremdenfeindliche Sprüche gegenüber ausländischen Gästen einer Hochzeitsgesellschaft gegeben. Ministeriumssprecher Martin Krems bestätigte zwar, dass es sich bei der Hochzeit "offensichtlich um ein deutsch-iranisches Paar" gehandelt habe. Hinweise auf rassistische Äußerungen gebe es aber nicht.
"Geradezu unvorstellbar"
"Diese Frage beschäftigt uns, seitdem wir den Vorfall erörtern", so Krems. "Es scheint aber geradezu unvorstellbar, dass es solche Äußerungen gegenüber Dritten gegeben hat." Nach all den Erfahrungen der vergangenen Jahre habe es bei solchen Fällen immer jemanden gegeben, der sich beschwert habe. Es sei zwar bereits am Montag eine Beschwerde eines Grünen-Politikers über die Randale der Bereitschaftspolizei eingangen, doch von rassistischen Ausfällen sei keine Rede gewesen, so Krems.
Die Ermittlungen zu den Vorgängen dauerten aber noch an. Mindestens 16 der mehr als 100 Beamten sollen in die Randale verwickelt gewesen sein. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Uwe Petermann, nannte das Verhalten seiner Kollegen "peinlich".






































