Alaska: Hallenser verunglückt beim Bergsteigen

21.05.2012 23:29 Uhr | Aktualisiert 22.05.2012 21:30 Uhr
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Mount McKinley

Der Mount McKinley (FOTO: MZ)

Ein deutscher Bergsteiger ist auf dem Mount McKinley in Alaska in den Tod gestürzt. Die Verwaltung des Nationalparks erklärte am Montag, bei dem Mann, der 300 Meter in die Tiefe gefallen war, handele es sich um einen 49-Jährigen aus Halle.
Halle (Saale)/MZ. 

Dieser Berg kennt keine Gnade. Da fällt ein Rucksack um. Ein Mann greift danach. Plötzlich gibt es kein Halten mehr. Das Schicksal schlägt brutal zu. 300 Meter stürzt Steffen Machulka in die Tiefe. Seinen Versuch, den exakt 6 194 Meter hohen McKinley in Alaska zu erklimmen, bezahlt der Hallenser mit dem Leben. Es ist der erste Tote der Saison an diesem sagenumwobenen Gipfel, den die Indianer auch "Denali" - "der Große" - nennen. Aus Ehrfurcht meiden die meisten Ureinwohner seine Besteigung.

Seit Dienstag ist es traurige Gewissheit. Die Bergwacht am höchsten Gipfel Nordamerikas meldet, dass der Tote geborgen und amtlich identifiziert ist. Ein Hubschrauber transportiert den Leichnam in die Distrikt-Hauptstadt. Alles weitere regeln die Behörden in Absprache mit den Verwandten des Opfers in Sachsen-Anhalt.

Zwei Weggefährten Machulkas haben das Unglück aus nur wenigen Metern Entfernung miterlebt. Ihr Glück im Unglück: Das Team ist zu diesem Zeitpunkt keine Seilschaft. Sonst wären möglicherweise alle drei Alpinisten zusammen abgestürzt.

Überlebende schockiert

So müssen die Überlebenden aber hilflos ansehen, wie der 49-Jährige den steilen Schneehang hinunter rast. Die beiden Bergsteiger, die ein Arzt später im Basis-Camp untersucht, stehen unter Schock. Kein Wunder, seit dem Verlust ist alles anders als vorher: Das größte Event ihres Lebens entpuppt sich plötzlich als die größte Katastrophe - innerhalb weniger Augenblicke.

Es ist auch das dramatische Aus eines heimlichen Traums. Dabei geht es um die Vision, eines Tages sämtliche Gipfel der Seven Summit zu erreichen. Dieser Begriff steht für die sieben höchsten Berge der Kontinente. Auf den Single, der als Elektro-Fachmann bei der Bahn angestellt war, übte diese Vision seit langem eine magische Anziehungskraft aus. Die Gipfel der Alpen um den Mont Blanc sind nach dem Mauerfall nur der Anfang. Jahr für Jahr zieht es ihn, der vor der Wende nur die Hohe Tatra in der Slowakei kennt, in immer entferntere Regionen - im Jahresurlaub ein Weltenbummler mit Seil, Haken und Eispickel.

Freunde und Bekannte aus der halleschen Bergsteiger-Szene reagieren entsetzt auf seinen Tod - und schweigsam. Gemeinsam ist ihnen die Sorge, dass das Unglück einen Schatten auf diese mitunter umstrittene Bergsportdisziplin wirft. Nicht zufällig fällt es den Akteuren schwer, für derartige Expeditionen noch Versicherungen zu finden. Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Risiken nicht mehr kalkulierbar seien.

Dem Alpinisten Andreas Drechsler ist es zwei Mal gelungen, den McKinley zu bezwingen. Der Leipziger, dem nach eigenen Angaben dabei größere Blessuren erspart geblieben sind, warnt vor einer übertriebenen Bewertung des Unglücks von Steffen Machulka. Seine Erfahrung: "Wer sich dort oben bewegt, ist stets im Grenzbereich unterwegs und das letztlich allein." Schon vermeintliche Kleinigkeiten könnten fatale Folgen auslösen. Aus der Ferne sei das jedoch im Einzelfall nicht zu klären. Tatsache sei aber: "Die Bedingungen sind extrem, selbst im Vergleich zum Mount Everest." In manchen Monaten müssten neun von zehn Teams teilweise weit vor dem Gipfel erfolglos umkehren.

Der Weg wird zur Qual

Eines dürfte der Bergsteiger nie vergessen: "Der McKinley ist der kälteste Berg der Welt." Eis, Schnee, Felsen - wärmer als minus 25 Grad Celsius werde es nicht, berichtet Drechsler. "Manchmal helfen sogar Spezialhandschuhe kaum." Schon nach kurzer Zeit würden dann die Finger kalt und gefühllos, drohen Erfrierungen mitten im Sommer. Aus der Sturmhaube, die das Gesicht schützt, werde eine Eismaske. Und noch etwas kann den Sieg über den Berg zunichte machen - die Luftverhältnisse, wie man sie sonst nur noch weit oben im Himalaya - so etwa über 7 000 Meter - ertragen müsse. Als wäre es gestern gewesen, erinnert sich Drechsler an die Mühsal auf dem steilsten Stück des Weges: 13 Schritte - 40 Sekunden Pause. Der Rucksack erweise sich als fast untragbare Last. "20 Kilogramm erlebt man als 60 Kilogramm."

Wer den McKinley meistert, legt abhängig von Wetter und Route zwischen 50 und 70 Kilometer zurück - einen guten Teil auf Schneebrettern. Dafür brauchen die Bergsteiger zwischen zehn und 20 Tagen. Schon diese Zeitspanne signalisiere, so Drechsler, dass viele Unwägbarkeiten eine Rolle spielen.

Sie können sogar tödlich sein, wie das tragische Unglück des Hallensers deutlich macht.