Die Gaststätte «Königsruhe» im Bodetal ist durch Felsabbrüche gefährdet und muss möglicherweise geschlossen werden. (FOTO: CHRIS WOHLFELD)
Bereits am Wochenende könnten sich die Türen der 190 Jahre alten Gaststätte samt ihrem Biergarten, der zu den 100 schönsten in Deutschland zählt, für immer schließen. Grund: Der erneute Steinschlag östlich des Gasthauses, der bereits zu einer Sperrung des Wanderweges führte.
Der Fall droht zum Politikum zu werden, denn vor zwei Jahren hatten der damalige Wirtschaftsminister und heutige Ministerpräsident Reiner Haseloff und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (beide CDU) in einer medienwirksamen Aktion vor Ort Hilfe versprochen. Zuvor waren nach einem gewaltigen Felssturz sowohl der Wanderweg nach Treseburg durch das Bodetal als auch der steile Anstieg zur Roßtrappe gesperrt worden. Letzterer ist bis heute dicht, der Weg durchs Bodetal - Teil des Hexenstieges - nur noch in den Sommermonaten passierbar. Aeikens und Haseloff hatten damals versprochen, die Hänge an den gefährlichsten Stellen - etwa direkt über dem Gasthaus - sichern zu lassen. "Doch außer jeder Menge bedrucktem Papier ist seither nichts passiert", sagte Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) am Mittwoch in Anspielung auf inzwischen drei Gefährdungsgutachten.
Stattdessen soll die Landesregierung am Mittwoch auf einem Krisengespräch ultimativ die Schließung und sogar den Abriss der Gaststätte gefordert haben. Landrat Michael Ermrich (CDU) lehnt dies jedoch ab: "Das ist nicht meine Aufgabe. Und soll ich das Zeug dann mit der Schubkarre da rausfahren?" Was Ermrich nicht sagte: Wenn er die Schließung der Gaststätte verfügt, drohen ihm Schadenersatzforderungen des Gastwirtes. Und dies, obwohl die Hänge im Bodetal Eigentum des Landes sind. "Es geht um die Frage, wer hier in der Pflicht ist", sagt Ermrich und lässt die Antwort offen.
Das zuständige Umweltministerium hat nun am Mittwoch erneut den bereits vor zwei Jahren in Aussicht gestellten Bau eines Fangzaunes oberhalb der Gaststätte in Aussicht gestellt, wie Staatssekretärin Anne-Marie Keding (CDU) am Mittwoch bestätigte. Allerdings nur, wenn zuvor mit einem neuerlichen Gutachten belegt wird, dass ein Fangzaun "die Sicherheit für die Gaststätte deutlich erhöht und die finanziellen Aufwendungen in vertretbarem Rahmen bleiben", so Keding.
Offen sei zudem noch die Frage, wer die Unterhaltungskosten zahlt. Stadt und Landkreis lehnen dies aus Kostengründen ab, denn Unterhaltung bedeutet am Ende nichts anderes, als das in den Fangzaun gestürzte Felsbrocken mit dem Hubschrauber geborgen werden müssten - ein teures Unterfangen.
Und bevor all diese Fragen nicht geklärt sind, bleibe nichts anderes übrig, als die Gaststätte "zunächst vorübergehend zu schließen", so Keding: "Der Felssturz hat die Gefahr, die durch das Gutachten bekannt ist, noch einmal manifestiert." Eine endgültige Schließung sei unabwendbar, wenn auch mit einem Fangzaun keine ausreichende Sicherheit zu garantieren sei oder die Kosten zu hoch sind.
Im Bodetal geht damit am kommenden Wochenende einen Ära zu Ende, die Preußenkönig Friedrich Wilhelm begründet haben soll - daher auch der Name "Königsruhe". Gastwirt Jörg Bauer sagte am Mittwoch , er habe seit langem geahnt, dass sein inzwischen zwei Jahrzehnte währenden Engagement im Bodetal dem Ende entgegengeht. Die Nachricht von der bevorstehenden Schließung habe er noch nicht erhalten, "aber es treibt mir die Tränen in die Augen", bekannte Bauer.
Nach dem neuerlich Felssturz hatte Bauer bereits seinen Wohnsitz in der Felsenschlucht aufgegeben und auch Gäste beherbergt er nicht mehr in seiner Pension. Nur der Gaststättenbetrieb und der Ausschank im Biergarten sollten zunächst weitergehen. Da die Zufahrt zum Gasthaus wegen des Steinschlags gesperrt ist, hatte Bauer für kommenden Sonnabend bereits Bergwacht und Harzklub engagiert, um Getränke ins Tal zu tragen. Die wird er nun nicht mehr benötigen.