Der Effekt beruht schlicht und einfach darauf, dass Unschärfen in einer Abbildung gewöhnlich mit Kleinheit assoziiert werden, weil der Betrachter eine Makroaufnahme vermutet. Wird beispielsweise ein Schmetterling abgebildet, wundert sich niemand über die unscharfe Wiesenlandschaft um das Objekt, sondern bestimmt beim Betrachten die Größenverhältnisse instinktiv richtig.
Was aber passiert beim neuen Foto-Trend und vor allem: Wie wird er eigentlich hervorgerufen? Den Puppenstuben-Effekt erzeugt ein spezielles Objektiv, das sich unabhängig von der Kamera kippen und wenden lässt. Verschieben bedeutet "shift", verschwenken "tilt". Diese beiden Funktionen des Linsensystems gegenüber der Film-ebene ermöglichen die Aufnahmen mit der faszinierenden Wirkung. Wie bei einer Nahaufnahme ist nur ein kleiner Teil des Bildes scharf und ruft den Eindruck einer Modelllandschaft hervor.
Filmemacher setzen der originellen Technik die Krone auf, indem sie ihre Videos in Tilt-Shift drehen und lassen sie außerdem mit vierfacher Geschwindigkeit ablaufen, was den Miniatureffekt noch einmal verstärkt. Nur der Preis bremst derzeit den neuen Trend noch etwas aus: Ein neues Objektiv kostet rund 1 500 Euro.
dpa / mz