Iran: Mindestens 250 Menschen sterben bei Erdbeben

11.08.2012 19:10 Uhr | Aktualisiert 13.08.2012 10:16 Uhr
Männer suchen unter den Trümmern des Dorfes Bajeh Baj nahe der Stadt Varzaqan im Nordwesten des Iran nach Überlebenden. (FOTO: DPA) 
Bei zwei schweren Erdbeben sind im Nordwesten des Irans mindestens 250 Menschen getötet und Tausende weitere verletzt worden. Die beiden Erdstöße am Samstag nahe der Millionenstadt Täbris hatten eine Stärke von 6,4 beziehungsweise 6,3.
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Dubai/rtr. 

Bei zwei schweren Erdbeben sind im Nordwesten des Irans mindestens 250 Menschen getötet und Tausende weitere verletzt worden. Die Behörden rechneten am Sonntag mit einem Anstieg der Opferzahlen, weil viele Verletzte in Lebensgefahr schwebten und die Rettungsmannschaften entlegene Orte noch nicht erreicht hatten. Retter versuchten unter Hochdruck, Verschüttete aus den Trümmern zu bergen. Die Krankenhäuser konnten den Ansturm von Verletzten kaum bewältigen. Weil es an Zelten fehlte, mussten viele obdachlos gewordene Bewohner der an Aserbaidschan und Armenien grenzenden Region die kalte Nacht im Freien verbringen. Deutschland sagte der Islamischen Republik Hilfe zu.

Die beiden Erdstöße am Samstag in der Nähe der Millionenstadt Täbris hatten US-Geologen zufolge eine Stärke von 6,4 beziehungsweise 6,3 und ereigneten sich in einem Abstand von elf Minuten. Ihnen folgten mindestens 40 Nachbeben. Zahlreiche Menschen flohen aus Angst aus ihren Häusern auf die Straßen. 16.000 Menschen wurden in Notunterkünften untergebracht. Der Fotograf Taher Sadati sagte der Nachrichtenagentur Reuters, viele Orte seien dem Erdboden gleichgemacht. „Die Menschen brauchen Hilfe, sie benötigen warme Kleidung, mehr Zelte, Decken und Brot.“

Medienberichten zufolge wurden zwölf Dörfer nahezu völlig zerstört, in rund 60 Dörfern seien mehr als 50 Prozent der Häuser beschädigt. In Täbris sei dagegen niemand ums Leben gekommen. Ein Parlamentsabgeordneter sagte der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars, noch seien bis zu 20 Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten.

In den Krankenhäusern im Katastrophengebiet bildeten die Verletzten lange Schlangen. Oft fehlte es an Personal und Medikamenten. Im Krankenhaus von Wasarghan mussten sich einem Agenturbericht zufolge zwei Ärzte um 500 Patienten kümmern. Viele Verletzte wurden von Verwandten gebracht, weil es augenscheinlich an Krankenwagen fehlte.

Die Region habe insofern Glück im Unglück gehabt, weil sich die Beben am helllichten Tage ereignet hätten, sagte Fotograf Sadati. „Darum waren viele Menschen nicht in ihren Häusern.“ Ansonsten wären weitaus mehr Tote zu beklagen gewesen. Weil sie der Standfestigkeit der Gebäude nicht trauten, gingen viele Menschen nicht mehr in ihre Häuser, berichtete ein Student aus der Stadt Ahar. Auf der Straße nach Täbris stauten sich viele Autos mit Verletzten, die auf dem Weg ins Krankenhaus waren.

Außenminister Guido Westerwelle kondolierte seinem iranischen Kollegen Ali Akbar Salehi. Er sei über die Ausmaße des Bebens bestürzt, erklärte Westerwelle und bot der Islamischen Republik deutsche Hilfe an.

Unter dem Iran verlaufen mehrere Verwerfungslinien. Das Land wurde schon mehrmals von schweren Beben heimgesucht. So kamen in der Stadt Bam im Jahr 2003 mehr als 25.000 Menschen ums Leben.