Italien: Weitere Beben erschüttern den Norden

20.05.2012 08:59 Uhr | Aktualisiert 21.05.2012 12:05 Uhr
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Zerstörtes Gebäude

Heftige Erschütterung: Der Norden Italiens hat ein starkes Erdbeben erlebt. (FOTO: DPA)

Von Luca Bruno
Das Erdbebengebiet im Norden Italiens kommt nicht zur Ruhe. Auch in der Nacht zum Montag erschütterten neue Erdstöße die Region Emilia Romagna. MZ-Redakteur Gert Glowinski berichtet von großer Besorgnis, die das Beben bei vielen Urlauber auslöste.
Sant'Agostino di Ferrara/dapd/AP. 

Das Erdbebengebiet im Norden Italiens kommt nicht zur Ruhe. Auch in der Nacht zum Montag erschütterten neue Erdstöße die Region Emilia Romagna. Die beiden schwersten Nachbeben am frühen Montagmorgen erreichten laut Nachrichtenagentur Ansa eine Stärke von 3,7 und 3,6. Insgesamt gab es dem Portal „corriere.it“ zufolge mehr als hundert kleinerer Nachbeben.

Rund 3000 Menschen mussten die Nacht in Zelten, Sporthallen, Pensionen oder bei Freunden und Verwandten verbringen - ihre Häuser sind nicht mehr bewohnbar. Das Gefängnis von Ferrara wurde vorsorglich evakuiert, wie das Fernsehen Rai am Montagmorgen berichtete. Manche Menschen berichteten dem Sender, dass sie die Nacht aus Angst vor Nachbeben im Auto verbracht hätten. Viele Schulen im Erdbebengebiet bleiben am Montag und Dienstag geschlossen.

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Sieben Menschen starben bei dem Beben, das die Region am Sonntagmorgen mit einer Stärke von 6,0 erschüttert hatte. Vier Arbeiter und eine über hundertjährige Seniorin wurden von Trümmern erschlagen. Eine 37-jährige Deutsche und eine 86-Jährige starben nach dem Beben, möglicherweise infolge des Schrecks. #video

Die Schadenshöhe ist noch unbekannt. Vor allem aber gibt es Sorge wegen der Schäden an den unschätzbaren Kulturgütern der Region. „Die Schäden an dem kulturellen Erbe sind nach einem ersten Erkenntnissen beachtlich“, sagte der Minister für Kulturgüter, Lorenzo Ornaghi, laut Ansa. Unter anderen gab es Schäden in der Renaissancestadt Ferrara, deren historischer Stadtkern zum Weltkulturerbe gehört. Das Schloss von Ferrara sowie Kirchen wurden beschädigt.

Die deutsche Botschaft und das Generalkonsulat gingen Hinweisen auf mögliche deutsche Opfer nach und standen in engem Kontakt mit den italienischen Behörden, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte.

Das Zentrum des Hauptbebens lag 35 Kilometer nordnordwestlich von Bologna in verhältnismäßig niedriger Tiefe von fünf Kilometern, wie die US-Erdbebenwarte mittelte. Dem Beben ging ein Erdstoß der Stärke 4,1 voraus, eine Stunde nach dem Hauptbeben kam es laut USGS zu einem Nachbeben der Stärke 5,1. Papst Benedikt XVI. sagte in seinem Sonntagsgebet auf dem Petersplatz, er fühle sich den Betroffenen „spirituell nahe“ und bat die Menschen, für die Toten und Verletzten zu beten.

Erst Ende Januar war in Norditalien von einem Erdbeben der Stärke 5,4 erschüttert worden. Einige Bürogebäude in Mailand wurden damals als Vorsichtsmaßnahme evakuiert. 2009 hatte ein verheerendes Beben in der Stadt L'Aquila in Mittelitalien mehr als 300 Menschen das Leben gekostet.

Unter vielen Urlaubern in der Ferienregion löste das Erdbeben große Besorgnis aus. In der Region um Ferrara zum Beispiel, nur wenige Kilometer vom Epizentrum entfernt, war das Beben noch stark zu spüren gewesen. „Die Leute hier sind aus ihren Ferienhäusern gerannt, einige von ihnen hatten anschließend Bedenken zurückzukehren“, schilderte MZ-Redakteur Gert Glowinski, der gerade in der Region mit seiner Familie Urlaub macht.